ACEA kritisiert Elektroauto-Vorschlag der EU

30 Prozent elektrisch betriebene Fahrzeuge bis 2030? Für den Verband der europäischen Automobilhersteller (ACEA) ist das anvisierte Ziel der EU-Kommission wenig realistisch. Die Kaufkraft der Menschen in wirtschaftlich schwächeren EU-Ländern werde viel zu wenig berücksichtigt, kritisiert der Verband.

Ohne erschwingliche Kaufpreise keine Umstellung

Einer neue Studie des ACEA stellen vor allem die hohen Preise der Elektroautos die größte Hürde dar, wenn es um die europaweite Nachfrage von E-Fahrzeugen geht. Der Verband analysierte dazu nationale Daten über die Markteinführung von Elektroautos mit dem BIP der einzelnen Länder pro Kopf.  Demnach liegt der Marktanteil von E-Fahrzeugen in EU-Ländern mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) unter 18.000 Euro beinahe bei 0 Prozent. In der Hälfte aller EU-Mitgliedsstaaten liegt der Anteil bei 0,75 Prozent.

„In Anbetracht der Tatsache, dass der Ausschuss des Europäischen Parlaments am 10. Juli über die CO2-Ziele für Autos nach 2020 abstimmt, mahnen wir eine realistische Zielsetzung an. Die Mitglieder des Ausschusses sollten bei ihrer Entscheidung die Kaufkraft der Menschen nicht vergessen“, so der ACEA. Eine nachfragegetriebene, "natürliche" Umstellung auf emissionsfreie Fahrzeuge sei ohne erschwingliche Kaufpreise nicht möglich, erklärt ACEA-Generalsekretär Erik Jonnaert.

"Völlig unrealistische Erwartungen"

Die Europäische Kommission hatte den Vorschlag eingebracht, den Absatz von rein batterieelektrischen Autos (BEV) bis 2025 auf 15 Prozent und bis 2030 auf 30 Prozent zu erhöhen. „Dabei machten im vergangenen Jahr die BEV EU-weit nur 0,7 Prozent der gesamten Autoverkäufe aus“, kritisiert der Herstellerverband das Vorhaben. Zählt man die Plug-In-Hybride dazu, sind es 1,5 Prozent. „Wir sind besorgt, dass manche Entscheidungsträger im Parlament völlig unrealistische Erwartungen bezüglich der Marktentwicklung haben“, führt Jonnaert weiter aus.

Sorgen machen ihm dabei vor allem die unterschiedlichen Verkaufszahlen der Stromer in den EU-Ländern. Es gebe ein ausgeprägtes Gefälle zwischen Mittel,- Ost- und Westeuropa sowie zwischen Norden und Süden. Schlusslicht ist Estland mit 43 verkauften BEV und PHEV im Jahr 2017  - das entspricht einem Anteil von 0,17 Prozent aller verkauften Autos. Nur in Ländern mit einem BIP von mehr als 35.000 Euro liege der Marktanteil von Elektrofahrzeugen höher als 1,8 Prozent, so Jonnaert.

Für den ACEA ist damit klar: mit diesen Zahlen werden die CO2-Vorgaben der Europäischen Kommission scheitern. „Um bis 2030 einen EU-weiten Durchschnitt von 30 Prozent Elektroautos auf den Straßen zu haben, müssten mehr als die Hälfte aller verkauften Fahrzeuge in Westeuropa emissionsfrei sein“, bilanziert der Verband. (aho)

 

Quelle: ACEA

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