Wie umweltfreundlich sind Elektroautos wirklich?

Welchen Beitrag zum Klimaschutz können Elektroautos im Vergleich zu herkömmlichen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor leisten? Ein Gastbeitrag von Claudia Brasse.

Hinkender Vergleich bei lokalen Emissionen

Zunächst sind die lokalen Emissionen zu berücksichtigen, die im Fahrbetrieb entstehen. Bei einer ‚tank-to-wheel‘-Betrachtung wird offensichtlich: Das Elektroauto erzeugt keinerlei Emissionen beim Fahren. Einem energetischen Wirkungsgrad von >90 Prozent beim Elektrofahrzeug stehen Benzin- und Dieselantriebe mit einer Energieeffizienz von circa 35 Prozent gegenüber.

Vielfach wird argumentiert, dass der Strom, mit dem Elektroautos geladen werden, jedoch „dreckig“ sei. Bezieht man die Bereitstellung der Antriebsenergie in die Bilanz mit ein, so spricht man von einer ‚well-to-tank‘-Betrachtung. Da jedoch die Emissionen, die bei Herstellung und Transport von Benzin- und Dieselkraftstoffen nur schwer ermittelt werden können, beschränkt sich die Automobilindustrie bei Bewertung und Vergleich von Fahrzeugen in der Regel auf die lokalen Emissionen, die durch die Verbrennung der Kraftstoffe im Betrieb entstehen.

Eigentlich müsste eine umfassende ‚well-to-wheel‘-Analyse erfolgen, die zudem Wartung und Unterhalt der Fahrzeuge berücksichtigt. Eine ganze Reihe von Studien hat sich in den letzten Jahren sowohl mit ‚well-to-wheel' als auch mit Lebenszyklusanalysen (‚cradle-to-grave‘) einschließlich Rohstoffgewinnung, Herstellung und Recycling bzw. Entsorgung der Fahrzeuge beschäftigt. Allerdings gibt es zum Teil noch wenig belastbares Datenmaterial: Batteriedesigns und -prozesse unterliegen strengster Geheimhaltung und Rohdaten sind oft schwer und unvollständig zugänglich. 

 
Bild 1: Fahrzeugemissionen in Gramm CO2/km
Bild 1: Fahrzeugemissionen in Gramm CO2/km
 

Obwohl der Vergleich der Emissionen zwischen Diesel-Abgasen und Elektroauto-Stromversorgung hinkt, soll dennoch eine einfache Rechnung die grundsätzlichen Unterschiede und Trends aufzeigen:

In Deutschland beträgt die CO2-Emission von Strom 527g/kWh im deutschen Strommix in 2016. Das Erzeugungsportfolio besteht aus 30 Prozent Grünstrom (Solar, Wind, Wasser, Biomasse), 13 Prozent Atomstrom und 40 Prozent Kohlestrom (Braunkohle, Steinkohle) sowie 12 Prozent Erdgas plus Sonstige1, Tendenz steigend: Für 2017 beträgt der Anteil erneuerbarer Energie an der Bruttostromerzeugung bereits mehr als 33 Prozent.

Für ein Elektrofahrzeug in der Kompaktklasse mit einem Verbrauch von 12,5 kWh auf 100 Kilometer ergibt sich somit ein Wert von 65,9 Gramm CO2/km, also etwa der Hälfte vom Durschnitt der Gesamtflotte in Deutschland (siehe Bild 1).

Mit der fortschreitenden Energiewende, der Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien im Strommix zugunsten von fossilen Energieträgern nach dem Plan der Bundesregierung auf 50 Prozent bis 2030 und 80 Prozent bis 2050, sinken die Werte für Elektroautos nochmals deutlich, spätestens 2030 auf unter 50 Gramm CO2/km.

Schon heute ist somit jeder elektrisch gefahrene Kilometer ein Gewinn für die unmittelbare Umgebung und ein Beitrag zum Klimaschutz.

 

1Bruttostromerzeugung, nach Strom Report, https://1-stromvergleich.com/strom-report/.

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