Bosch verzichtet auf eigene Batteriezellenfertigung

Autozulieferer Bosch verzichtet auf den Aubau einer eigenen Zellfertigung. Auch wenn die Marktführerschaft in der Elektromobilität das erklärte Konzernziel ist: das wirtschaftliche Risiko ist dem Unternehmen zu hoch.

"Eigene Zellfertigung nicht ausschlaggebend für Erfolg in der Elektromobilität"

 „Für Bosch ist es wichtig, die Zelle technisch zu verstehen, fertigen müssen wir sie nicht“, begründet Rolf Bulander, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH und Vorsitzender des Unternehmensbereichs Mobility Solutions, den Schritt. Man habe sich aus wirtschaftlichen Gründen gegen den Aufbau einer eigenen Zellfertigung entschieden.

Man habe festgestellt, dass die Investition in eine Industrialisierung von sowohl weiterentwickelten als auch künftigen Zelltechnologien zu risikobehaftet sei. Berechnungen hätten ergeben, dass sich alleine die Anfangsinvestition in eine wettbewerbsfähige und marktrelevante Zellfertigung auf rund 20 Milliarden Euro belaufen würden.

Zu den hohen Anfangsinvestitionen kämen Betriebskosten in Milliardenhöhe. Zudem entfielen drei Viertel der Herstellkosten auf Materialkosten. "In nur einem geringen Anteil der Wertschöpfung können also Wettbewerbsvorteile erarbeitet und ausgespielt werden", so Bosch. Es bliebe mit Blick auf die dynamischen und nur schwer vorhersagbaren externen Marktfaktoren offen, ob und wann sich diese Investition für Bosch rechnen würden.

Konsequenzen für Tochterunternehmen

Auch das im Bereich der Lithium-Ionen-Technologie tätige Gemeinschaftsunternehmen Lithium Energy and Power GmbH & Co. KG (LEAP) werde beendet.  Das im Bereich der Festkörperzell-Technologie forschende Tochterunternehmen Seeo soll veräußert werden. Die Zellen für Hybrid- und Elektroauto-Batterien bezieht Bosch zukünftig auch weiterhin von Zellzulieferern.

Das in den vergangenen Jahren aufgebaute, "umfangreiche Know-how" im Bereich der Batteriezellen werde Bosch in einem Center of Competence aber weiterentwickeln,erklärte der Konzern in einer Stellungnahme.

Wirtschaftlichen Risiken zu hoch

Unabhängig von der jetzt getroffenen Entscheidung sieht Bosch großes technisches Potenzial in der Festkörper-Technologie. „Auf der technischen Seite haben wir sehr gute Entwicklungsfortschritte erzielt. Die Festkörper-Technologie ist der richtige Pfad“, so Mathias Pillin, der bei Bosch die Elektromobilitätsaktivitäten verantwortet.

Zudem habe sich gezeigt, dass vor allem das Verständnis der Batteriezelle, nicht aber eine eigene Zellfertigung, ausschlaggebend für den unternehmerischen Erfolg in der Elektromobilität sei. "Bosch ist auch ohne Zellfertigung in der Elektromobilität gut aufgestellt." (aho)

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