Elektrobus eCitaro feiert Weltpremiere

Mercedes-Benz hat seinen vollelektrischen Bus eCitaro zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Gustav Tuschen, Leiter Entwicklung bei Daimler Buses, stellte den E-Bus in Mainz vor und gab außerdem die geplanten Entwicklungsstufen des eCitaro bekannt.  

250 Kilometer Reichweite unter "Idealbedingungen"

Zum großen Branchentreff IAA Nutzfahrzeuge ist es nicht mehr lange hin. Daimler Buses hat seinen potenziellen Kunden die Wartezeit etwas verkürzt und am 10. Juli seinen vollelektrischen eCitaro-Bus vorgestellt. Lithium-Ionen-Batterien mit einer Gesamtkapazität von bis zu 243 kWh übernehmen die Stromversorgung des Fahrzeugs. Aufgrund der modularen Bauweise teilen sich die Batterien in maximal zehn Module mit jeweils etwa 25 kWh. Neben zwei Batteriemodulen auf dem Fahrzeugdach gehören vier Batteriemodule im Heck zur Grundausstattung. Optional sind zwei oder vier weitere Batteriemodule auf dem Dach des eCitaro möglich. Die Zellen der Lithium-Nickel-Mangan-Cobalt-Oxide-Batterien – kurz NMC – liefert Samsung, die Batterien selbst baut Akasol.

Mercedes-Benz hat den E-Bus serienmäßig mit Anschluss für einen Combo 2 Stecker ausgestattet. Der eCitaro kann außerdem optional per Dachstromabnehmer aufgeladen werden, falls die Reichweite erhöht werden soll.  Diese beträgt bis zu 250 Kilometer – „unter Idealbedingungen“, wie Tuschen betonte. Im Sommer, wenn die Klimaanlage an den Batteriereserven zerrt, sind immerhin noch mindestens 150 Kilometer mit einer Aufladung möglich: Daimlers Ingenieure haben das Thermomanagement so optimiert, dass der Energiebedarf für Heizung, Lüftung und Klimatisierung in der elektrischen Version des Busses um 40 Prozent niedriger liegt als beim Verbrenner-Pendant.

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    Bei Vollbestückung mit zehn Batteriemodulen wiegt der eCitaro in Serienausführung knapp 14 Tonnen. © Daimler Buses
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    „Der neue Mercedes-Benz eCitaro ist der Auftakt für eine Innovationsoffensive zur Elektrifizierung des ÖPNV", sagt Daimler Buses. © Daimler
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    Zum Serienbeginn ist der eCitaro mit einem Combo 2 Stecker ausgestattet. © Daimler Buses
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    Die ersten Fahrzeuge gehen Ende 2018 in den Praxistest - u.a. in die Metropolregion Rhein-Neckar. © Daimler Buses

    Ab 2020 mit neuen NMC- und Festkörperbatterien

    „Der eCitaro des Jahres 2018 deckt bereits ohne Zwischenladung rund 30 Prozent der Anforderungen der Verkehrsbetriebe ab“, betonte Tuschen. Allerdings sei angesichts der dynamischen Batterieentwicklung bereits eine sukzessive Umstellung vorgesehen, sodass man den Elektrobus bereits „aufwärtskompatibel“ konzipiert habe. Daimler will den eCitaro ab 2020 in zwei weiterentwickelten Versionen anbieten: einmal mit der neuesten, noch leistungsfähigeren Generation von NMC-Batterien, die eine Reichweite von 200 Kilometern mit einer Aufladung in Aussicht stellt.

    Die zweite Version wird ab 2020 mit Lithium-Polymer-Batterien, sogenannten Festkörperbatterien, ausgestattet. Sie zeichnen sich durch eine besonders große Lebensdauer und eine hohe Energiedichte aus: mit einer nominellen Batteriekapazität von 400 kWh deckt der eCitaro dann etwa 70 Prozent der geforderten Systemleistung ohne Zwischenladung ab. Dafür arbeitet Daimler mit dem französischen Energiespeicher- und Batterienhersteller Blue Solutions zusammen.  „Mit dieser größeren Batteriekapazität ist auch ein sinnvoller Einstieg für einen Gelenkbus eCitaro G mit einer angemessenen Reichweite möglich“, so Tuschen.

    Ab 2022 mit Brennstoffzelle als Range Extender

    Noch einen Schritt weiter gehen die Pläne für 2022: dann soll ein Brennstoffzellenantrieb als Range Extender zum Einsatz kommen, der 400 Kilometer Reichweite mit einer Aufladung ermöglicht. „Mit dieser Technik sind Zwischenladungen und die dafür notwendige aufwendige Infrastruktur in nahezu allen Fällen überflüssig – der eCitaro kann Stadtbusse mit Verbrennungsmotor nahezu deckungsgleich ersetzen“, ist sich Tuschen sicher.

    Ende 2018 laufen im Mannheimer Bus-Werk die ersten eCitaro vom Band und werden gleich darauf im Rahmen einer sogenannten kundennahen Fahrerprobung in die Praxis gehen: Die Verkehrsbetriebe Rhein-Neckar-Verkehr haben im November 2017 eine entsprechende Absichtserklärung mit der Daimler-Tochter EvoBus unterzeichnet. Die Verkehrsbetriebe in Hamburg und Berlin haben bereits insgesamt 35 eCitaro bestellt.

    Dass sich Daimler mit dem eCitaro vergleichweise lange Zeit gelassen hat, stört Entwicklungsleiter Tuschen nicht. „Einen normalen Elektrobus hätten wir zwar schon früher präsentieren können“, stellte der 56-Jährige bei der Präsentation klar. „Wir wollen aber nicht die Ersten, sondern die Besten sein.“ (aho)

     

    Quelle: Daimler Buses

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