Zwei Elektroautos an der Ladesäule

Wer nicht weiß, wo er verfügbare Ladestationen findet, wie lange die Akkus genutzt werden können oder welche Reichweiten die Autos haben, der ist verunsichert. Laut einer Capgemeni-Studie geht das über der Hälfte der Deutschen so. Und mancher geht dann lieber auf Nummer sicher und setzt auf Bewährtes.

Verkehrsminister Scheuer ist verärgert

"Potenzielle Käufer" von Elektroautos "zögern aus Mangel an Informationen", sind die Berater von Capgemini überzeugt. Einer Umfrage unter 762 Teilnehmern zufolge – davon 256 aus den USA, 255 aus China und 251 aus Deutschland – fühlen sich 64 Prozent der Deutschen nicht ausreichend über Elektroautos informiert. Das mag einer der Gründe dafür sein, dass die Verkaufserwartungen nach wie vor nicht erfüllt werden. Einen weiteren Grund dafür, dass hierzulande voraussichtlich erst 2022 und damit zwei Jahre später als ursprünglich geplant eine Million Elektrofahrzeuge zugelassen sind, nannte Verkehrsminister Andreas Scheuer aktuell auf einem Mobilitätsgipfel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Wir haben seit dem Jahr 2009 rund 5,2 Milliarden Euro für die technologieoffene Förderung der Antriebstechnologien ausgegeben. Ich bin verärgert, dass daraus keine Produkte entstehen“, sagte er dort.

Allerdings sind die Vertreter der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) auch davon überzeugt, dass "Deutschland zu den internationalen Leitmärkten für Elektromobilität Niederlande, Frankreich, Norwegen, USA, Großbritannien und China aufgeschlossen hat". Im Jahr 2017 hatte Deutschland demnach mit 117 Prozent die weltweit höchste Wachstumsrate bei Elektrofahrzeugen aufgewiesen. Im September dieses Jahres meldete die NPE darüber hinaus, dass man "neben China der Markt mit dem größten verfügbaren Fahrzeugangebot" sei. Und erst kürzlich wies der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie Bernhard Mattes darauf hin, dass "bis 2020 die deutschen Automobilhersteller ihr Modellangebot an E-Autos mehr als verdreifachen werden – von derzeit 30 Modellen auf 100".

Es mag sein, dass sich manche Kunden vielleicht auch erst bei dann verfügbarer breiterer Modellvielfalt und zusätzlich annähernd flächendeckender Ladeinfrastruktur intensiver mit der Elektromobilität beschäftigen und sich dann informierter zu fühlen. Das sollte die Anbieter aber nicht aus ihrer Informationspflicht entlassen. Denn laut Capgemini sind die noch nicht sehr hohen Verkaufszahlen unter anderem damit zu begründen, "dass interessierte Verbraucher zu wenige Informationen vorfinden, um sich für den Kauf eines Elektroautos zu entscheiden". So fühlen sich hierzulande bezüglich der Akkus lediglich 29 Prozent gut informiert, über Ladestationen weniger als jeder Vierte. Als "gravierend" bezeichnen die Berater "die Informationslücken" gerade bei solchen Themen, die für die Kaufbereitschaft kritisch sind: Nämlich zu Lebensdauer und Kosten des Akkus, zur maximalen Reichweite des Elektroautos und zur der Lage der öffentlichen Ladestationen. Jeweils rund 95 Prozent wollen genau darüber Bescheid wissen, bevor sie sich ein E-Fahrzeug zulegen.

360-Grad-Angebote schnüren

„Es ist entscheidend, den Erstkäufern von Elektroautos die Angst vor Lade- und Reichweitenproblemen über vollumfängliche Service-Angebote zu nehmen – zum Beispiel im Bereich der Ladeinfrastruktur. Hier können Hersteller den Unterschied machen zwischen einem unzufriedenen Erstkäufer und einem glücklichen Botschafter für Technologie und Marke“, so Philipp M. Haaf, Senior Manager und Experte für Elektromobilität bei Capgemini Invent. Ebenfalls ein interessanter Punkt: Private Ladevorrichtungen verkauft das Gros Hersteller über den After Sales. Die Installation übernimmt ein Dritter. Ein erheblicher Teil der Befragten möchte aber alles aus einer Hand. Das größte Interesse haben die Deutschen aber derzeit an der Nutzung öffentlicher Ladepunkte. Haaf spricht auch in diesem Zusammenhang von "360-Grad-Angeboten", um sich von der Konkurrenz abzuheben. "Schafft die Branche das nicht, werden Quereinsteiger Wege für die E-Mobiliät bahnen – denn die Zukunft ist eindeutig elektrisch."

Zu den 360-Grad-Angeboten gehören demnach neben ergänzenden Produkten und Services wie Installations- und Störungsdiensten auch Informationen im Internet. Suchen doch die potenziellen Käufer in der Phase des ersten Interesses hauptsächlich online, unter anderem in Suchmaschinen, auf den Konzern-Websites oder in Communities."Finden sie hier nicht leicht die gesuchten Informationen, entscheiden sich viele für ein Auto mit Verbrennungsmotor anstelle eines Elektroautos", sagen die Studienautoren. Und nicht zuletzt müssten auch die Händler fit für die elektromobile Zukunft gemacht werden.

Für die Untersuchung "Electric Cars: At the tipping point?" wurden solche Teilnehmer befragt, die ein ernsthaftes Interesse an Elektroautos zeigten, wobei 54 bereits eines besaßen und die übrigen einen Kauf in Erwägung zogen. (khof)

Quelle: Capgemini

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