Offenbach stellt auf Elektrobusse um

Die Offenbacher Verkehrs-Betriebe (OVB) steigen um – von Dieselfahrzeugen auf umweltfreundliche Elektrobusse. Das Ziel: Bis 2023 soll 35 Prozent der Busflotte elektrisch betrieben werden. Die Ausschreibung für Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur startet 2018.

Finanzielle Mehrbelastung im Rahmen

„Wir brauchen einen leistungsstarken ÖPNV, um in unserer schnell wachsenden Großstadt den steigenden Mobilitätsanforderungen gerecht zu werden", begründet Offenbachs Bürgermeister Peter Schneider die Umstellung. Mehr Busse bedeuteten aber auch mehr Emissionen. „Dieser Spagat, einerseits den Stadtbusverkehr auszuweiten und  gleichzeitig die Schadstoffbelastung der Luft zu verringern, kann nur mit Hilfe emissionsfreier, mit Öko-Strom betriebener Elektrobusse gelingen."

Die Verantwortlichen rechnen durch den Umstieg auf Elektrobusse mit einer CO2.-Einsparung von 2.300 Tonnen und acht Kilogramm Feinstaub pro Jahr. Die finanzielle Mehrbelastung durch die Flottenelektrifizierung liege bei "deutlich unter 500.000 Euro" pro Jahr.

Mitte 2019 starten die ersten zwei Elektrobusse

Bis 2023 sollen insgesamt 27 Elektrobusse im täglichen Einsatz zu nutzen. Das entspricht rund 35 Prozent der gesamten Stadtbusflotte von derzeit 72 Fahrzeugen (einschließlich Subunternehmen).

Um den neuen Nahverkehrsplan in zwei Phasen umzusetzen, soll die Fahrzeugzahl zum Fahrplanwechsel Ende 2018 um elf Busse und zum Fahrplanwechsel Ende 2019 um weitere fünf Busse auf dann insgesamt 88 Fahrzeuge steigen. Der erhöhte Fahrzeugbedarf wird in diesem Jahr zunächst noch durch neue Diesel-Busse gedeckt. "Gleichzeitig sollen aber 2018 bereits Fördergelder bei Bund und Land beantragt und die Beschaffung der Elektrobusse  wie der Ladeinfrastruktur europaweit ausgeschrieben werden", betonen die Stadtwerke.

Etwa Mitte 2019 sollen die ersten beiden Elektrobusse und Ende 2019 weitere fünf Elektro-Fahrzeuge in Betrieb genommen werden. In den Folgejahren steht dann die Auswechslung von insgesamt 20 Dieselbussen Dieselflotte gegen Elektrobusse an.

"Eine sukzessive Umsetzung macht mehr Sinn"

Warum stellt man die Busflotte nicht sofort komplett auf Elektroantrieb um? "Eine schrittweise Umstellung auf Elektrobusse macht mehr Sinn als eine hundertprozentige Elektrifizierung von jetzt auf gleich", erklären die Stadtwerke. "Es ist zu einem leichter zu finanzieren. Ein weiterer Grund besteht darin, dass die sukzessive Umsetzung des Projektes die Möglichkeit bietet, in kleinen Schritten zu starten und die dabei gewonnenen Erfahrungen für die nächsten Entwicklungsschritte auszuwerten. Und der dritte Grund: Die Elektromobilität entwickelt sich technisch  kontinuierlich weiter. Die Elektrifizierung der Stadtbusflotte in mehreren Stufen erlaubt es, auf diese Veränderungen und Fortschritte flexibel zu reagieren.

Gelegenheitsladen an den Endhaltestellen

21 der insgesamt 27 elektrisch betriebenen Fahrzeuge werden Solobusse, sechs werden Gelenkbusse sein. Beheizt und klimatisiert werden die Fahrzeuge mit Hilfe einer Hybridheizung. In einem bestimmten Temperaturbereich geschieht das elektrisch, im Frostbereich schaltet sich eine fossile, mit Bio-Diesel oder Bio-Ethanol  betriebene Zusatzheizung zu.

Mittels "Gelegenheitsladung" werden die Elektrobusse tagsüber binnen weniger Minuten an Schnelladestationen mit einer Leistung von 300 kW an zwei strategisch günstig gelegenen Endhaltestellen nachgeladen. Die Busse benötigten bei dieser Form der Aufladung vergleichweise kleine und leichte - ergo günstigere - Batterien. Ein klarer Vorteil, so Fachplaner und ebusplan-Geschäftsführer Matthias Rogge.

Über Nacht erfolgt dann die Ladung im Betriebshof. 28 Ladepunkte mit einer Leistung von 50 kW ermöglichen dort über Nacht ein langsames, maximal vierstündiges Stromspeichern. Im Betriebshof soll zudem ein Schnellladepunkt installiert werden.

Die  Batteriekapazität der Busse wird so ausgelegt sein, dass auf jeder Linie mindestens ein kompletter Umlauf als Leistungsreserve zur Verfügung stehen wird. Ladestand, Restreichweite und Gesamtzustand der Batterien sowie die Kontrolle der Endhaltestellen-Ladung werden ständig elektronisch zur Leitstelle übertragen.

Die Stadt Offenbach, lobt Matthias Rogge, verfüge mit  der Elektrifizierung der Stadtbusse und dem stationsübergreifenden Verleihsystem von Elektrofahrzeugen wie Pedelecs und Elektroautos  über ein „vollständig elektrifiziertes multimodales Verkehrskonzept“ und nehme damit eine „Vorreiterrolle innerhalb Hessens, aber auch innerhalb der Bundesrepublik“ ein. Für Offenbachs Bürgerinnen und Bürger werde es jetzt noch attraktiver, den ÖPNV und die angeschlossenen Mobilitätsangebote zu nutzen. (aho)

 

0
0
0
s2smodern

Unser Veranstaltungs-Tipp

Ladeinfrastruktur ko

(© iStock.com / adventtr)

"Praxisorientierte Lösungen für Ladestationen" heisst es am 4. Juni in München. Das Seminar vermittelt das nötige Grundwissen unter anderem für das Laden von Elektrofahrzeugen.

Mehr Infos zum Event

Zahl der Woche

Elektromobilität Zahl der Woche

975

Kilometer mit einer einzigen Akkuladung - das ist der neue  "Hypermiling"-Rekord aus den USA für das Tesla Model 3. Nach 32 Stunden Fahrtzeit und einer durchschnittllchen Geschwindigkeit von 40 km/h war die Batterie leer.

Video-Fundstück

Hier stellen wir interessante, kurze Videos zum Thema Elektromobilität und Energie aus dem World Wide Web vor.

Folge 17: Wie reagieren Menschen, die das erste Mal in einem Elektroauto am Steuer sitzen? Das amüsante Ergebnis zeigt das Video. Film ab!