Twaice Predictive Software

Autovista (Schwacke), TÜV Rheinland und TWAICE haben untersucht, welche Vorteile ein neutraler Battery Health Report zum Batteriezustand für gebrauchte E-Autos bringen würde. Außer Alter und Kilometerstand wirkt sich die Fahrweise entscheidend auf die Lebensdauer von Lithium-Ionen-Batterie aus. Allerdings ist derzeit bei einem Verkauf nicht bekannt, wie das Fahrzeug bislang gefahren und behandelt wurde. Angaben zum Restwert gebrauchter Elektroautos sind deshalb unsicher, hier schlummert andererseits ein erhebliches wirtschaftliches Potenzial. Wie es gehoben werden könnte, zeigt die gemeinsame Studie (Whitepaper) des Handelsexperten Autovista, des Softwareunternehmens TWAICE sowie des TÜV Rheinland.

Wer ein gebrauchtes Elektroauto sucht, muss bislang die Katze im Sack kaufen. Ausgerechnet für das wertvollste Teil des Wagens, die Lithium-Ionen-Batterie, erhält man nämlich kaum Informationen über den tatsächlichen Restwert. Wie rasch eine neue Batterie altert und damit an Wert verliert hängt entscheidend vom Verhalten des bisherigen Fahrers ab. Dieses aber kennt der Käufer nicht.

Die Gefahr ist deshalb groß, dass für ein gebrauchtes E-Auto ein ungerechtfertigter Preis gezahlt – oder gefordert - wird. Zum Beispiel dann, wenn die Batterie trotz kurzer Lebensdauer bereits deutlich abgenutzt ist. Kapazität und Leistung des Akkus hängen entscheidend davon ab, wie das Auto bislang behandelt wurde. Ein rasanter Fahrstil, viele Schnellladevorgänge oder große Temperaturschwankungen belasten moderne Batterien. Nach drei Jahren und 45 000 Kilometern Laufzeit kann ein schlecht behandelter Akku schon bis zu fünf Prozent weniger Leistung aufweisen als ein schonend gefahrener. Und die Lücke wird im Laufe der Zeit immer größer, denn die einmal verlorene Batterieleistung kann nicht mehr aufgeholt werden.

Es fehlt ein verlässliches Gütesigel für gebrauchte Stromer

Ganz allgemein stellen beim Handel mit komplexen Produkten fehlende Informationen für eine Partei das größte wirtschaftliche Risiko dar. Ohne die Expertise ausgewiesener Fachleute lassen sich solche Informationen aber kaum gewinnen. Deshalb gibt es für einige Bereiche externe Qualitätssiegel, Zertifikate oder Ratings. Auf dieser Grundlage errechnen sich etwa die Preise von Hotelzimmern, Restaurant-Besuchen oder neuen Handys.Ausgerechnet der Gebrauchtwagenmarkt aber zeigt, wie schwierig die Situation ohne Bewertungsmöglichkeiten ist.

Es gibt für gebrauchte Fahrzeuge noch kaum verlässliche Gütesiegel, so dass die Käufer den Preis eher drücken. Sie kennen ja den tatsächlichen Zustand des Fahrzeugs nicht, selbst wenn der möglicherweise besser ist als vermutet.

Zwar bieten viele Autohersteller inzwischen Gebrauchtwagenprogramme und verlängerte Garantiefristen. Diese Maßnahmen seien auch sinnvoll, um beiden Seiten bessereInformationen zu liefern, sagt Christof Engelskirchen, Chefvolkswirt der Autovista Group. „Elektroautos stellen den Markt aber vor neue Herausforderungen. Wir wissen, dass die Behandlung der Batterie während ihrer Lebensdauer einen erheblichen Einfluss auf die Reichweite und damit den Alltagsnutzen hat.“ Noch jedoch fehle am Markt systematische Transparenz zu Battriequalität und – nutzung.

Ein digitaler Zwilling offenbart den Zustand der Batterie

Ähnliche Erfahrungen hat der TÜV gemacht: „Langzeittests haben uns gezeigt, dass Batterien von Elektrofahrzeugen abhängig vom konkreten Nutzungsprofil sehr unterschiedlich altern können“, sagt Matthias Schubert, Executive Vice President Mobility beim TÜV Rheinland. Entscheidend für eine Restwertbestimmung der Batterie sei daher die Bewertung der Restkapazität und der zu erwartenden Einsatzdauer.

Eine technische Möglichkeit zur Bewertung der verbleibenden Qualität hat das Münchener Softwareunternehmen TWAICE entwickelt. Es kann mit einer komplexen Technologie den aktuellen „Gesundheitszustand“ der Batterie aufdecken – und klärt damit auch die bisherige Nutzungsweise. Jonas Keil, ein Batterieingenieur bei TWAICE, beschreibt das Prinzip: „Wir schaffen von der Batterie einen digitalen Zwilling und simulieren mit diesem die Auswirkungen von Betriebsbedingungen, Fahrweise und Ladeverhalten.“

Nach drei Jahren mit Battery Health Report 450 Euro mehr für ein Elektroauto

Autovista Group hat errechnet, wie viel ein entsprechender Report für Akkus allein in Deutschland wert wäre. Für ein drei Jahres altes, kompaktes Elektroauto könnte ein Verkäufer demnach bis zu 450 Euro mehr erlösen – hätte er nur einen Report zum Gesundheitszustand der Batterie. Autovista-Ökonom Engelskirchen rechnet vor, dass der wirtschaftliche Wert einer solchen Bescheinigung 4,5 Millionen Euro pro 10 000 Elektroautos ausmachen könnte. „Zugunsten aller Marktteilnehmer“, sagt er.

Noch fehlt allerdings ein entsprechender Report. Lennart Hinrichs, Commercial Director von TWAICE, berichtet von der Initiative für ein allgemein gültiges Gesundheitszeugnis: “Wir arbeiten jetzt daran, unsere Batterieanalytik für die Etablierung von Battery Health Reports als Standard in der Industrie zu nutzen.”

Um die ökonomischen Möglichkeiten einer derartigen Bescheinigung voll auszuschöpfen, müssten Informationen über den Batterieeinsatz einmal zum Standard bei jedem Gebrauchtwagenverkauf werden. Sie wären dann ebenso verfügbar wie die Angaben über Alter, Kilometerstand und Sonderausstattung des E-Autos.

Andreas Geilenbrügge ist bei der Schwacke GmbH, einem Tochterunternehmen von Autovista, für den Geschäftsbereich Bewertungen zuständig. Sein Fazit: “Wir arbeiten kontinuierlich an der verbesserten Abdeckung relevanter Restwert-Einflussfaktoren. Daten zur Batterieverwendung und -qualität würden unsere Datensätze wirkungsvoll bereichern, wenn wir die Restwerte für Elektrofahrzeuge analysieren.”

Quelle: TWAICE

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