Elektromobilität: Wahrnehmung vs. Wirklichkeit

Die Entscheidung gegen ein Elektroauto basiert oftmals auf Fehleinschätzungen der Verbraucher: Das zeigt eine aktuelle Umfrage von E.ON.

Woran liegt es, wenn sich potenzielle Autokäufer gegen ein Elektroauto entscheiden? Sind die Contra-Argumente rational begründbar oder wird die Elektromobilität hierzulande einfach noch von vielen unterschätzt? Das wollte Energieversorger E.ON in Kooperation mit Statista bei einer Befragung von insgesamt 2.004 Führerscheinbesitzern herausfinden.

Die Anschaffungskosten sind die größte Hürde

Generell kann sich die Mehrheit (62 Prozent) vorstellen, ein Elektroauto zuzulegen. 38 Prozent der Befragten lehnen einen Kauf zwar kategorisch ab; davon gaben jedoch 73 Prozent an, einen Kauf in Erwägung zu ziehen, wenn die Fahrzeuge günstiger wären. Wenig überraschend spielt in diesem Zusammenhang das monatlich verfügbare Grundeinkommen eine wichtige Rolle: Bei Geringverdienern kann sich nur knapp die Hälfte den Kauf eines Elektrofahrzeugs vorstellen. Die Kaufbereitschaft steigt mit wachsendem Einkommen. Höhere Reichweiten brächten 71 Prozent dazu, ihre ablehnende Haltung nochmals zu überdenken, mehr öffentliche Ladestationen immerhin noch 65 Prozent.

Reichweiten-Anspruch und tatsächliche Nutzung klaffen auseinander

Knapp 50 Prozent der befragten Autofahrer schätzen die Reichweite von Elektroautos auf deutlich unter 200 Kilometer. Tatsächlich verfügen die aktuellen Modelle über eine realistische Reichweite zwischen 200 und 300 Kilometern. Das wissen immerhin 31 Prozent der Umfrageteilnehmer. Für die meisten Befragten ist das aber noch zu wenig: Über 40 Prozent wollen mit Batterieladung mindestens 450 Kilometer weit kommen.

Interessant: Je älter die Befragten sind, desto häufiger sind hohe Reichweiten für sie ein Muss und auch Diesel-Fahrer sind in der Forderung nach mindestens 450 Kilometer Reichweite überrepräsentiert. Am extremsten sind die E-Auto-Ablehner: Hier fordert knapp ein Drittel sogar Reichweiten von mehr als 500 Kilometern – und das, obwohl fast alle Befragten am Tag durchschnittlich weniger als 100 Kilometer mit dem Auto zurücklegen.

„Da E-Fahrzeuge hauptsächlich abends zuhause oder tagsüber am Arbeitsplatz laden, reichen für den Alltag der allermeisten Deutschen selbst E-Autos mit geringsten Akkukapazitäten aus“, erklärt eMobility-Experte Andreas Pfeiffer von E.ON. „Die nächste Generation der Fahrzeuge, wie beispielsweise der neue Nissan Leaf, hat Reichweiten um die 400 Kilometer, so dass auch die wenigen Langstreckenfahrten der Deutschen locker abgedeckt sind.“ Damit wäre dann laut Umfrage immerhin etwas mehr als die Hälfte der deutschen Autofahrer zufriedengestellt.

Ladezeiten werden überschätzt

Gefragt danach, wie viele Ladestationen es ihrer Meinung nach in Deutschland gibt, zeigt sich, dass der Mythos „zu wenig Ladestationen“ tatsächlich weit verbreitet ist. 70 Prozent der Autofahrer glauben, dass bundesweit weniger als 3.000 Ladestationen zur Verfügung stehen. Weitere 20 Prozent tippen auf unter 6.000. „Betrachtet man öffentliche Ladestationsplattformen, die E-Auto-Fahrer täglich nutzen, um Ladestationen im Umkreis zu finden, sprechen wir derzeit von mehr als 13.000 Ladestationen“, ergänzt Pfeiffer.

Die durchschnittlichen Ladezeiten von Elektroautos schätzen die Deutschen zudem deutlich höher ein, als sie tatsächlich sind. Die Hälfte der Befragten geht beim normalen Laden mit Wechselstrom (AC) davon aus, dass die Stromer mehr als sechs Stunden am Stecker hängen. Tatsächlich sind aktuelle E-Auto-Modelle in vier bis sechs Stunden voll aufgeladen.

Die Schnellladezeiten mit Gleichstrom (DC) schätzen 63 Prozent der Umfrageteilnehmer auf über eine Stunde. Tatsächlich reichen - je nach Akkukapazität - aber bereits 30 bis 60 Minuten für eine Vollladung. Für 37 Prozent der Befragten wäre das auch eine akzeptable Ladezeit für das Laden unterwegs auf längeren Strecken. Weitere 42 Prozent wären mit 10 bis 30 Minuten zufrieden – also genau der Ladezeit, die die neueste Generation von Ultraschnellladern für kompatible Fahrzeuge braucht.

„Die Untersuchung zeigt, dass die Elektromobilität die Ansprüche und Bedürfnisse vieler deutscher Autofahrer schon heute erfüllt – sie wissen es nur nicht“, lautet das Befragungs-Fazit von E.ON (aho)

 

Quelle: E.ON via Newsletter

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(© iStock.com / adventtr)

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öffentlich zugängliche Ladepunkte sind derzeit (Stand 30. Dezember) im BDEW-Ladesäulenregister erfasst. Davon sind 12 Prozent Schnelllader. Ende Juli 2018 waren es noch rund 13.500 Ladepunkte.

Video-Fundstück

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Bamberg testet als erste deutsche Stadt ein E-Scooter Verleihsystem. Falls der Test reibungslos verläuft, sollen die Roller noch im Frühjahr zugelassen werden. Der Bayrische Rundfunk hat Passanten auf der Straße die elektrischen Kleinfahrzeuge testen lassen.