Carsharing fristet noch ein Nischendasein.

Noch ist für das Mobilsein ohne Auto im urbanen und besonders im ländlichen Raum viel Luft nach oben. Laut einer Studie des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) werden Carsharing-Angebote, Elektroräder und Pedelecs derzeit noch wenig nachgefragt. Es gibt aber Unterschiede, beispielsweise regionale.

Ansätze sind erkennbar

Die gute Nachricht zuerst: Gemäß den Analysten der Studie „Mobilität in Deutschland 2017“ des BMVI ist eine „Verkehrswende“ in Deutschland hin zur stärkeren Nutzung des öffentlichen Personennah-  und -fernverkehrs oder Alternativen zum eigenen Auto wie Fahrräder oder Mietwagen  „in Ansätzen erkennbar“.  „Die oft erwartete Gesamtdynamik“ sei jedoch nicht erreicht.

Vor allem außerhalb der Städte bleibt das Auto demnach "mit großem Abstand Verkehrsträger Nummer eins". 57 Prozent aller Wege werden per „motorisiertem Individualverkehr“, mit dem PKW, Mofa, Moped, Motorrad, einem Nutz- oder Carsharing-Fahrzeug zurückgelegt. Auf immerhin elf Prozent kommen Fahrräder inklusive Elektro-Bikes. Öffentliche Verkehrsmittel nutzen die Bundesbürger für zehn Prozent aller Wege. Immerhin 22 Prozent der Strecken werden zu Fuß bewältigt.

Insgesamt steht lediglich in 22 Prozent der deutschen Haushalte kein eigenes Auto. Jeder vierte Haushalt verfügt über zwei oder mehr Fahrzeuge. Dabei gibt es regionale Unterschiede. Während in den ländlichen Gebieten mindestens ein Auto zur Grundversorgung zählt – 90 Prozent der Haushalte haben mindestens eines – verzichten in Metropolen wie München oder Hamburg mittlerweile 40 Prozent auf einen Kauf.

Carsharing im Fokus

Carsharing-Anbieter finden ihre Klientel auch wegen des teilweisen Verzichts auf den Autokauf vor allem in diesen größten Städten. Während vier Prozent aller deutschen Haushalte bei mindestens einem Carsharing-Anbieter registriert sind und ein Viertel auf mehrere Anbieter zugreift, sind in den Metropolen und Großstädten 14 Prozent beziehungsweise fünf Prozent der Menschen Carsharing-Kunden. In den ländlichen Regionen schwankt der Anteil gerade einmal zwischen einem bis zwei Prozent.

Doch viele Mitgliedschaften werden nur sehr selten in Anspurch genommen. Ein regelmäßig genutztes Angebot sei Carsharing heutzutage aber (noch) nicht. Nur sechs Prozent aller Carsharing-Mitglieder, unabhängig von der Zahl der Kundenkonten, nutzt ein geteiltes Fahrzeug zumindest wöchentlich. 27 Prozent greifen monatlich auf ein Carsharing-Fahrzeug zu, 44 Prozent noch seltener. Die Studienautoren vermuten, dass „für diese das Angebot vermutlich eine Art optionaler Zweitwagen ist“. 22 Prozent antworteten sogar, dass sie ihre Mitgliedschaft nie nutzen. Von den Carsharing-Kunden besitzt etwa die Hälfte zusätzlich ein eigenes Auto.

Rad fahren, auch elektrisch

Fahrräder dagegen werden immer häufiger verwendet, und es werden weitere Strecken mit ihnen zurückgelegt als noch vor ein paar Jahren. Gegenüber 2008 hat sich die Summe der geradelten Kilometer im Jahr 2017 um ein Fünftel erhöht. In 78 Prozent der Haushalte steht zumindest ein funktionstüchtiges Rad. Acht Prozent besitzen mindestens ein Elektrofahrrad oder Pedelec. Auf einen gemieteten Fahrradsattel schwingen sich in den Metropolen immerhin zehn Prozent der Befragten "regelmäßig".

Untersuchungsdesign

Für die Studie wurden von Juni 2016 bis September 2017 bundesweit etwa 155.000 Haushalte zu ihrer Mobilität befragt, "eine der wichtigsten Datengrundlagen für die Verkehrsplanung und für Entscheidungen der Verkehrspolitik auf allen politischen Ebenen – vom Bund bis zu den Kommunen", wie das BMVI mitteilt. Die Befragung richtete sich an Einwohner jeden Alters. Diese konnten telefonisch, schriftlich-postalisch oder online antworten. (khof)

Quelle: BMVI

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