NPE: Deutschland verfehlt Elektroauto-Ziel

Eine Millionen E-Autos bis 2020: Das von der Bundesregierung anvisierte Ziel wird nach Einschätzungen von NPE-Experten erst zwei Jahre später erreicht – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Aktualisiert am 20.09.2018

Auch Lieferengpässe sind eine Ursache

Das Expertengremium der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) hat Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Fortschrittsbericht 2018 überreicht. Das Ziel von einer Million Elektrofahrzeugen auf Deutschlands Straßen könnte demnach voraussichtlich im Jahr 2022 Realität  werden – zwei Jahre später als ursprünglich geplant.

Für die Zielverfehlung gibt es nach Einschätzungen der Experten verschiedene Gründe: unter anderem die mangelnde breitere zeitnahe Verfügbarkeit von elektrischen Fahrzeugmodellen, die spätere Umsetzung des Förderprogramms zum Aufbau der Ladeinfrastruktur, fehlende rechtliche Rahmenbedingungen und die zeitliche Verzögerung bei der Implementierung des Umweltbonus.

Das Gesamtsystem muss stimmen

Henning Kagermann, Vorsitzender der NPE, bleibt jedoch optimistisch: „Die Marktdynamik mit hohen Zuwachsraten in Deutschland sieht sehr positiv aus und zeigt, dass wir wesentliche Fortschritte erreicht haben. Das Eine-Million-Ziel bleibt eine gute politische Richtgröße“, sagte Kagermann am 19. September in Berlin.

Zu gleich sei ein „stimmiges Gesamtsystem“ aus attraktiven Fahrzeugangeboten, bedarfsgerechter Ladeinfrastruktur, klimafreundlichem Energiesystem, nutzerorientierten Dienstleistungen und den passenden rechtlichen Rahmenbedingungen jedoch wichtiger als ein genaues Datum, betont Kagermann. Diverse Untersuchungen hätten gezeigt, dass der vergleichsweise hohe Anschaffungspreis, die zu gering empfundene Reichweite und die Ausbaufähigkeit der privaten und öffentlichen Ladeinfrastruktur zu den größten Kaufhürden bei Elektroautos zählten.

NPE schlägt Maßnahmenpaket vor

Die NPE hat daher zentrale „Marktanreizmaßnahmen“ formuliert, um die Nachfrage nach Elektroautos (dazu zählen nach Definition der NPE neben rein batterieelektrischen Autos auch Plug-In-Hybride und E-Fahrzeuge mit Range Extender) weiter zu unterstützen.

  • Fortführung des Umweltbonus, bis das 1-Millionen-Ziel erreicht ist.
  • Zeitnahe, weitere Förderaufrufe zum Aufbau der Ladeinfrastruktur (privat und öffentlich)
  • Anpassung des Miet- und Wohneigentumsrechts, um die Installation privater Ladepunkte zu erleichtern
  • Investitionen in ein intelligentes Lasten- und Strommanagement
  • Forschungs- und Entwicklungsausgaben für Fahrzeugtechnologien in Höhe von 1 Milliarde Euro bis 2020
  • Forschungs- und Entwicklungsausgaben für Material,- Zell und Batterietechnologie
  • Etablierung von Fördermaßnahmen für elektrische Nutzfahrzeuge und Busse

Flankierend seien Informationskampagnen zur Elektromobilität und der Einsatz von E-Carsharing zielführend, um Vorbehalte in der Bevölkerung abzubauen. „Dann setzt sich elektrische Mobilität im großen Maßstab durch“, prophezeit Kagermann.

Deutschland ist einer der internationalen Leitanbieter für Elektromobilität

Zum Stichtag 31. Dezember 2017 belief sich die kumulierte Anzahl der Fahrzeugzulassungen in Deutschland seit 2010 auf rund 131.000 Elektroautos (69.000 BEV und 62.000 PHEV). Damit wies Deutschland im Jahr 2017 mit 117 Prozent die weltweit höchste Wachstumsrate auf und ist neben China der Markt mit dem größten verfügbaren Fahrzeugangebot.

Mittlerweile sind 33 E-Modelle deutscher Automobilhersteller im Markt erhältlich. „Im Vergleich zu ihren konventionell betriebenen Autos erreichen sie einen mindestens vergleichbaren, oft sogar höheren Marktanteil in den wichtigen Automobilmärkten“, heisst es im Fortschrittsbericht der NPE. In Westeuropa liegt der Anteil demnach bei 53 Prozent, in den USA mit 16 Prozent sogar doppelt so hoch. Einen Sonderfall bildet der chinesische Markt. Hier sind deutsche Elektrofahrzeuge mit gerade einmal 2 Prozent Marktanteil deutlich unterrepräsentiert, weil Peking die heimische Stromer-Produktion bevorzugt und stärkt.

Ausbau der Ladeinfrastruktur zeigt deutliche Fortschritte

Das deutsche Ladenetz wird zunehmend engmaschiger: Nach Schätzung der NPE gab es in Deutschland im Dezember 2017 rund 12.500 Ladepunkte  – darunter gut 850 Schnellladepunkte mit einer Leistung von mehr als 22 kW. „Bei einer vollständigen Umsetzung der eingegangenen Förderanträge könnten sich bis zum Ende dieses Jahres die Normalladepunkte verdreifachen und die Schnellladepunkte verzehnfachen“, prognostiziert die NPE. Besonders die bundesweite Zunahme der DC-Ladesäulen werde die Ladedauer mittelfristig drastisch senken.

Ausblick auf 2025

Die NPE erwartet, dass die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen weltweit weiter exponentiell wachsen wird. Die deutschen Hersteller werden ihren Anteil am internationalen Gesamtmarkt demnach dabei weiter ausbauen. Bis 2020 werden sich allein 100 Elektrofahrzeugmodelle von deutschen Herstellern auf dem Markt befinden. In Deutschland werden die kumulierten Neuzulassungen nach aktuellen Hochrechnungen bis 2025 auf 2 bis 3 Millionen Fahrzeuge ansteigen.

Weiterhin rücken im Zuge des globalen Markthochlaufs Rohstoffe und ihre Verfügbarkeit in den Fokus. Recycling und Second-Use-Konzepte werden wichtige Zukunftsthemen. Angesichts der chinesischen Präsenz in rohstofffördernden Ländern entwickelt sich die Verfügbarkeit von Rohstoffen für die deutsche und europäische Industrie zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor bei der Elektromobilität.

Für die Versorgung von einer Million Elektrofahrzeugen ist die Installation von 70.000 öffentlichen Normalladepunkten (AC-Ladepunkte) und 7.100 öffentlichen Schnellladepunkten (DC-Ladepunkte) sowie von rund einer Million privaten Ladepunkten notwendig. Nach dem NPE-Hochlaufszenario werden im Jahr 2025 rund 130.000 bis 190.000 öffentliche Normallladepunkte und circa 13.000 bis 19.000 öffentliche Schnellladepunkte benötigt. Akuter Handlungsbedarf besteht beim Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur. Hier müssen ungefähr 2,4 bis 3,5 Millionen private Ladepunkte im Jahr 2025 installiert sein. Um ihre Installation zu erleichtern, sind Anpassungen im Miet- und Wohnungseigentumsrecht notwendig.

Das Energienetz reicht nach Einschätzungen der NEP aktuell für das Laden von Elektrofahrzeugen aus. Mit dem weiteren Markthochlauf wird die Leistungsverteilung anspruchsvoller – es braucht dann einen lokalen Ausbau des Energienetzes und ein intelligentes Lastmanagement. Bis 2025 werden sich Elektrofahrzeuge nach Ansicht des Gremiums zu einer wichtigen Steuergröße im Energiemarkt entwickeln.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich inzwischen in einem Pressestatement zum NPE-Fortschrittsbericht geäußert (aho)

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