VDA: „Wir setzen auf Elektromobilität“

Angesichts von Abgasmanipulationen, Milliarden-Strafzahlungen und hochrangigen Auto-Managern in Untersuchungshaft gibt es sicher günstigere Zeiten für eine Pressekonferenz des VDA. Dessen Präsident, Bernhard Mattes, hat sich am 3. Juli in Berlin zu den aktuellen Themen der Branche geäußert. Die wichtigsten Aussagen im Überblick.

Der Abgasskandal

Kaum überraschend war der Abgasskandal der erste Punkt auf der Agenda. Viel Raum nahm das Thema aber nicht ein. Mattes sprach lediglich über den „massiven“ Verlust an Vertrauen und Glaubwürdigkeit gegenüber der Autobranche.  „Das bewegt mich auch persönlich“, so der VDA-Präsident. Transparenz und Verlässlichkeit müssten daher das Handeln bestimmen, um neues Vertrauen zu gewinnen und die Glaubwürdigkeit der Branche wieder zu stärken. „Wir müssen liefern, was wir versprochen haben.“

Verlängerung für Umweltbonus "sinnvoll"

Der Erfolg der deutschen Automobilindustrie stehe auf zwei Pfeilern: Innovation und Internationalisierung. „Zudem findet der Transformationsprozess in der gesamten Branche statt: dazu gehören Elektromobilität und alternative Antriebe sowie Digitalisierung, Vernetzung und automatisiertes Fahren“, bilanzierte der 61-Jährige. Die entscheidende Voraussetzung für den Erfolg der Elektromobilität sei der rasche und flächendeckende Aufbau einer leistungsfähigen Ladeinfrastruktur. Auch zum Jahrestag des Umweltbonus bezog Mattes klar Stellung: “Die Verlängerung ist sinnvoll, die Fördergelder sind noch nicht ausgeschöpft.“

Die deutschen Autohersteller würden in den kommenden drei Jahren insgesamt 40 Milliarden Euro in alternative Antriebe mit Schwerpunkt auf Elektromobilität investieren, sagte Mattes. Er kündigte an: „Wir wollen bei beiden großen Innovationsthemen - Elektromobilität und Digitalisierung - im "driver's seat" sitzen, mit der Rolle des Beifahrers geben wir uns nicht zufrieden.“

Jedes zweite weltweite Patent beim vernetzten und automatisierten Fahren komme von der deutschen Automobilindustrie, betonte Mattes. "Deutschland ist in diesem Bereich Patentweltmeister. In den nächsten drei Jahren investieren wir dafür rund 18 Milliarden Euro."

VDA hält am Diesel fest

Die Vision des Elektromotors als alleinige Antriebsform lehnte der Manager allerdings ab: „Auch der hoch effiziente Verbrennungsmotor hat Zukunft. Und Erdgasantreibe und Wasserstoff sind weiter im Rennen. Wir brauchen den modernen Diesel für die CO2-Zielerreichung, er ist Teil der Lösung.“  

Die Debatte um mögliche Fahrverbote habe im Markt Spuren hinterlassen, dem Klimaschutz aber „bringe das nichts“, so Mattes. „Je weniger Diesel verkauft werden, desto höher sind die CO2-Werte bei den Neuzulassungen. Es wäre daher völlig verkehrt, den Diesel abzuschreiben. Wer Klimaschutz ernst nimmt, weiß das. Der moderne Diesel ist notwendig, um die Klimaschutzziele im Verkehr zu erreichen.“

Der VDA-Präsident mahnte in Sachen CO2-Ziele zu „Augenmaß“.  Der EU-Kommissionsentwurf stelle die Autoindustrie vor „extreme Herausforderungen“  und erfordere erhebliche Elektromobilitätsanteile. Mattes äußerte sich ähnlich kritisch wie schon zuvor der Verband der europäischen Automobilhersteller (ACEA). „Wir wollen unseren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Aber wir brauchen machbare Ziele. Die Politik darf die Unternehmen nicht überfordern, sonst ist die industrielle Basis in Europa gefährdet.“ (aho)

 

Quelle: VDA

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