Baden-Württemberg: Verbände fordern Baurechtanpassung für mehr Ladestellen

Im Zuge der geplanten Reform der Landesbauordnung in Baden-Württemberg soll die Position der Elektromobilität baupolitisch gestärkt werden: Die Verbände Electrify-BW, der Bundesverband eMobilität (BEM), und der ADFC Baden-Württemberg sprechen sich gemeinsam für vereinfachte Lademöglichkeiten bei Wohngebäuden aus.

 "Die Politik muss mitdenken"

„Man darf sich von den verhältnismäßig niedrigen Zulassungszahlen bei Elektrofahrzeugen heute nicht täuschen lassen“, sagt Jana Höffner, Sprecherin von Electrify-BW. Es sei zu erwarten, dass die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen mit der kommenden breiteren Modellvielfalt massiv steigen werde. „Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen ist bereits so groß, dass viele Hersteller Lieferzeiten von über zwölf Monaten haben“, Höffner weiter. Die Politik müsse solche Szenarien bei der Reform der Landesbauordnung mitdenken.

Auch die Auflademöglichkeiten für Pedelecs und elektrifizierte Lastenräder müssten berücksichtigt werden. „Gerade Elektroautos werden überwiegend dort geladen, wo sie lange stehen. Ladeinfrastruktur an Parkplätzen an Wohngebäuden und beim Arbeitgeber wird hier eine zentrale Rolle für den Erfolg der Mobilitätswende spielen“, bilanzieren die Verbände und verweisen auf die Kosten einer nachträglichen Installation einer Ladestation in einem Wohngebäude. „Das kann je nach Aufwand bis zu 10.000 Euro kosten. Im Schnitt fallen etwa 2.000 bis 4.000 Euro an.“

Vorrausschauende Planung lohnt sich

Der Hauptkostentreiber seien Installations- und Verlegearbeiten, die durch Erdarbeiten oder Kernbohrungen entstehen. Die Verlegung von Leerrohren zur nachträglichen Installation von Ladeinfrastruktur an Stellplätzen und in Tiefgaragen bereits in der Bauphase senke die Kosten erheblich. Die Leerrohre könnten darüber hinaus auch für andere Zwecke, wie die nachträgliche Verlegung von Glasfaserkabeln bis in die Häuser verwendet werden. Kurt Sigl, Präsident des BEM, stellt klar: „Wer seinen Käufern oder Mietern eine Lademöglichkeit anbieten kann, steigert mit zunehmender Verbreitung der Neuen Mobilität auch den Wert seiner Immobilie.“

Die Große Koalition hat sich darauf verständigt, den Einbau von Ladestellen für Elektrofahrzeuge von Mietern sowie Wohnungseigentümern rechtlich zu erleichtern. Die EU sieht vor, dass Hausbesitzer ab 2025 auf eigene Kosten mindestens eine Ladesäule für Elektro-Fahrzeuge installieren müssen. Voraussetzung dafür ist, dass auf dem Parkplatz des Gebäudes mehr als zehn Stellplätze vorhanden sind. Doch das reicht nach Ansicht der Verbände nicht aus.

Installation auf eigene Kosten

„Wir hören immer wieder Klagen von Menschen, die sich gerne ein Elektrofahrzeug anschaffen würden; derzeit aber keine rechtliche Handhabe haben, am Stellplatz ihrer Eigentums- oder Mietwohnung einen Ladepunkt einzurichten. Andere schreckt der hohe finanzielle Aufwand, um einen Ladepunkt zu errichten, ab“, berichtet Jana Höffner. Hier sei der Gesetzgeber gefordert, endlich klare und sinnvolle Regelungen unter anderem für Eigentumsgemeinschaften zu treffen: „Jeder Eigentümer und Mieter muss das Recht haben, sich auf eigene Kosten eine Lademöglichkeit an seinem Stellplatz zu installieren.“

Kurt Sigl sieht zudem kein Problem darin, künftig mehrere Elektro-Fahrzeuge gleichzeitig laden zu können. „Derzeit gehen Negativ-Szenarien zum Laden von Elektrofahrzeugen immer von einer Gleichzeitigkeit von 1 aus. Das heißt, dass alle ihr Auto zur gleichen Zeit aufladen und in der Folge das Netz zusammenbricht. Dem ist allerdings nicht so. Unsere Mitglieder haben hierfür längst fertige Lösungen in Form eines intelligenten Lastmanagements entwickelt. In Zukunft wird eine bidirektionale Ladeinfrastruktur in einem SmartGrid zudem die weitere Integration Erneuerbarer Energien ins Stromnetz fördern, einige Millionen E-Fahrzeuge mit Strom versorgen und gleichzeitig den geforderten Netzausbau durch einen intelligenten Umgang mit Last- und Bedarfsspitzen in vertretbaren Grenzen halten.“

 „Wir müssen endlich aufhören auf Probleme von heute mit Technik und Lösungen aus den 1970er Jahren zu reagieren“, ergänzt Jana Höffner. „Die Digitalisierung bietet uns heute schon zahlreiche Konzepte für eine intelligente Ladesteuerung. Wer heute die besten Konzepte und Systeme entwickelt, kann sie morgen weltweit vermarkten.“ (aho)

 

Quelle: Electrify-BW

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(© iStock.com / adventtr)

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öffentlich zugängliche Ladepunkte sind derzeit (Stand 30. Dezember) im BDEW-Ladesäulenregister erfasst. Davon sind 12 Prozent Schnelllader. Ende Juli 2018 waren es noch rund 13.500 Ladepunkte.

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