1 Millionen Elektroautos für Italien bis 2022

Italiens Regierung hat einen Elektromobilitäts-Masterplan angekündigt: eine Millionen Stromer sollen in den kommenden Jahren auf italienischen Straßen unterwegs sein. Angesichts der aktuellen Marktlage haben sich bereits einige Skeptiker zu Wort gemeldet. Doch völlig abschreiben sollte man das Vorhaben nicht.

Koalition setzt Kaufanreize

Zuerst die gute Nachricht: Der Elektroauto-Trend im Stiefelstaat entwickelt sich grundsätzlich positiv. Die Anzahl der jährlich verkauften Stromer hat sich in den letzten vier Jahren veroppelt. Dennoch wurden 2017 gerade einmal 1.964 rein batteriebetriebene Fahrzeuge in Italien neu zugelassen. Zählt man die Plug-In-Hybride dazu, summiert sich die Anzahl der Fahrzeuge mit neuen Antriebsformen auf etwa 4.800. Ingesamt dürfte sich die Anzahl der reinen Elektroautos, die auf Italiens Straßen unterwegs sind, auf etwa 5.000 Stück belaufen.

Vor diesem Hintergrund will die Regierungskoalition in Rom einen ambitionierten Plan verwirklichen. Das Ziel lautet: eine Millionen Stromer bis 2022. In einem entsprechenden Papier des Koalitionsvertrages ist die Rede von „Reduktion von Benzin-und Dieselfahrzeugen“ und „Anreize für den Kauf von Elektro-und Hybridfahrzeugen.“ Eine konkrete Zahl wird darin zwar nicht genannt; Luigi di Maio, seines Zeichens Minister für Arbeit und wirtschaftliche Entwicklung, hatte auf seinem Facebook-Account die 1-Millionen-Marke publik gemacht.

Ein Regierungssprecher bestätigte, dass man „auf das Ziel hinarbeite“. Ob der Plan nur rein elektrisch betriebene Autos oder auch Hybride betreffe, ließ er unkommentiert, ebenso die Frage nach den Kosten. Experteneinschätzungen zufolge dürften sich diese aber auf einen mehrstelligen Milliardenbetrag belaufen - mindestens.

"Das ist beinahe unmöglich"

Giovanni Primo Quagliano, Leiter des Forschungsinstitutes Promotor, beschäftigt sich seit 25 Jahren mit dem italienischen Automobilmarkt. Er zeigt sich angesichts der Regierungspläne skeptisch: „Um eine Millionen Elektroautos auf die Straße zu bringen, sind erhebliche Steuererleichterungen wie in Norwegen die einzige Möglichkeit. Die Regierung müsste etwa 9.000 Euro Zuschuss pro Auto bereitstellen – das beliefe sich in Summe auf knapp 9 Milliarden Euro. Selbst auf diesem Niveau ist es beinahe unmöglich, das so schnell zu erreichen“, sagte Quagliano dem Nachrichtendienst Bloomberg New Energy Finance (BNEF).

Auch die Ladeinfrastruktur für die wachsende Anzahl an Elektroautos muss berücksichtigt und in die Wege geleitet werden. Der staatlich kontrollierte Energieversorger Enel hat es sich zur Aufgabe gemacht, bis zu 300 Millionen Euro in den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu pumpen. Bis zu 14.000 neue Ladesäulen sollen bis 2022 entstehen. Nach Angaben der European Alternative Fuels Observatory der Europäischen Kommission gibt es  aktuell italienweit 2.885 Stromtankstellen.

Energieversorger mit Problemen

Dennoch sieht sich Enel schon vor der Ausbau-Offensive mit Problemen konfrontiert: „Der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur ist viel komplizierter als wir bisher angenommen haben“, sagt Francesco Venturini, Chef der eMobility-Sparte Enel X. Er vermisse die politische Unterstützung. „Ohne klare Vorgaben der Regierung tappen wir im Dunkeln. Die Automobilbranche ist bereit für den Wandel, aber eine gemeinsame Vision mit der Regierung wäre gut.“

Enels Konzernchef Francesco Starace hingegen sieht die Sache etwas optimistischer. Er glaubt an den Durchbruch der Stromer in seinem Heimatland. „Italiener mögen Elektroautos, weil es ein neues und modernes Konzept ist“, sagte der 63-Jährige Mitte April in London.  „Und es macht Spaß, damit zu fahren. Wenn man das Kaufpotenzial unter diesen Aspekten beurteilt, wird der italienische Elektroauto-Markt bald Fahrt aufnehmen.“ Dass Rom ab 2024 Dieselfahrzeuge aus der Stadt verbannen will und Mailand ebenfalls an einem dieselfreien Stadtkonzept arbeitet, dürfte den alternativen Antriebsformen ebenfalls zugute kommen. (aho)

 

Quelle: Bloomberg / EAFO

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(© iStock.com / adventtr)

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