Wissenschaftler der Technischen Hochschule Deggendorf (THD) und der Universität Passau arbeiten im Rahmen des EU-Programms „Horizont 2020“ daran, die Nutzung von Elektrofahrzeugen für Endverbraucher attraktiver und nachhaltiger zu gestalten. 

Einfachere Ladevorgänge, längere Batterielaufzeiten und eine bessere Integration des Stromnetzes stehen dabei im Fokus. Das interdisziplinäre Projekt „Electrific“ mit Partnern aus ganz Europa ist auf drei Jahre angelegt. 

Die Forscher arbeiten unter anderem an einem intelligenten Navigationssystem, das folgende Fähigkeiten haben soll:

  • Es schlägt dem Fahrer batteriefreundlichere Ladezeitpunkte und -orte vor. 
  • Das System bezieht aktuelle Informationen aus dem Elektrizitätsnetz mit ein und zeigt dem Fahrer eine Route auf, mit der er möglichst viel Strom aus erneuerbaren Energiequellen nutzen kann.
  • Es berechnet die Lastkurve des örtlichen Elektrizitätsnetzes und die Wetterprognosen, um starke Spannungsschwankungen im Netz zu verhindern. 

Das Passauer Team kombiniert Informationen zur Auslastung des Stromnetzes, zur Qualität des Stroms und zum optimalen Ladezeitpunkt und schickt sie dem intelligenten Navi. Die Forscher entwickeln daraus lernfähige Algorithmen.

Deggendorf konzentriert sich auf Batterie schonende Ladeprozesse

Das Forschungsteam aus Deggendorf arbeitet an Batterie schonenden Ladeprozessen und Prozessen zur Optimierung der Batterie-Alterung. „Kennt man den Fahrer eines Fahrzeuges und sein Nutzungs-Verhalten bzw. seine Anforderungen, so kann man den Ladestress für die Batterie senken“, erklärt Prof. Dr. Andreas Berl, Projektleiter von „Electrific“ an der THD. 

Er und sein Team bauen auf das im Projekt E-WALD gewonnene Know-how auf. Die notwendigen Daten werden mittels des an der THD entwickelten und in den Fahrzeugen des Flottenbetreibers E-WALD-GmbH verbauten InCarApp Fahrerassistenzsystems gesammelt und analysiert. Pilot-Versuche werden in drei europäischen Regionen durchgeführt.

Passau untersucht Integration ins Stromnetz

Prof. Dr. Ing. Hermann de Meer erläutert das Passauer Teilprojekt: „Für uns stehen vier Dimensionen der Optimierung im Vordergrund: Zum einen suchen wir nach technischen Lösungen, die besonders batteriefreundlich sind. Daneben soll der Ladevorgang insgesamt netzfreundlicher werden, damit eine Zunahme der E-Mobilität sich nicht nachteilig auf die Stabilität des Stromnetzes auswirkt. Ein Schwachpunkt der E-Mobilität ist bisher auch die Integration erneuerbarer Energien, auch hier wollen wir Lösungen und Steuerungsmöglichkeiten aufzeigen. Viertens beziehen wir das Interesse der Fahrer mit ein, insbesondere die Frage nach den passenden Anreizen.“

Damit die Fahrer die Vorschläge annehmen, arbeiten Experten aus der Psychologie und der Wirtschaftsinformatik an psychologischen und ökonomischen Anreizmechanismen. Dazu zählen etwa Boni und Preisrabatte an den Ladestationen.

03.02.2017 | Quelle: Technische Hochschule Deggendorf | emobilserver.de

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