Mit dem Elektro-Campervan durch Neuseeland

Der neuseeländische Campervermieter Jucy hat in den vergangenen Monaten ein interessantes Experiment gewagt: wie einfach (oder schwierig) gestaltet sich eine Rundreise mit einem elektrischen Van für Touristen? Jucy-Chef Dan Alpe zieht eine gemischte Bilanz - doch entmutigen lässt er sich nicht.

5 Monate im Elektro-Van

Ein fremdes Land auf eigene Faust erkunden und dabei noch emissionsfrei unterwegs sein: Wie gut können sich diese zwei Ansprüche ergänzen? Jucy, vor allem unter Backpackern einer der bekanntesten Auto- und Campervan-Vermieter, hat diese Frage fünf Monate lang in der Praxis getestet:  Zwei französische Touristinnen waren mehr als 13.000 Kilometer mit dem elektrifizierten Prototypen – einem Nissan EV200 – in Neuseeland unterwegs.

Jetzt hat Dan Alpe, Mitgründer und Chef von Jucy, das Fazit des Versuchsprojektes publik gemacht: „Die meiste Zeit hat sich das Bereisen zwar als recht unkompliziert dargestellt. Der Elektro-Van war  hat bestens funktioniert und war zuverlässig. Es gibt jedoch noch einige Lücken in der neuseeländischen Ladeinfrastruktur zu kitten, um Touristen eine deutlich angenehmere Reiseerfahrung zu ermöglichen“, bilanziert der 42-Jährige.

Die Südinsel war ladetechnisch eine Herausforderung

Besonders auf der weitläufigen Südinsel hat es demnach an ausreichend Lademöglichkeiten gefehlt. Die große Distanz zwischen den einzelnen Stromtankstellen sei zudem eine Herausforderung  – zumindest für die Batterie des gegenwärtigen Prototypens, so Alpe. Das habe unter anderem dazu geführt, dass die beiden Frauen alle 100 Kilometer eine fünfstündige Ladepause einlegen mussten. Ein paar Mal hätten sie bei Privathaushalten um Strom zum Aufladen bitten müssen, weil sie sonst liegen geblieben wären.

Auch die teilweise extrem unterschiedlichen Stromkosten rufen bei dem Jucy-Chef Unverständnis hervor. „Ein Campingplatz wollte 45 Dollar (Anm. d. Redaktion: rund 26 Euro) alleine für´s Aufladen abrechnen. An den meisten Ladesäulen konnten die Fahrerinnen für 5 bis 10 Dollar voll aufladen“, führt Alpe aus. „Das Testprojekt „Elektro-Campervan“ zeigt uns, dass definitiv mehr getan werden muss, um den Ruf Neuseelands als nachhaltige und umweltfreundliche Reisedestination zu festigen.“

  • Jucy Dan Alpe Founder COO Jucy
    "Das Fahrzeug lief rund. Nur an der Ladeinfrastruktur hapert es." Dan Alpe, Mitbegründer und COO von Jucy © Jucy Group Ltd.
  • Jucy Elektro Camerpvan Fahrerinnen
    Die beiden französischen Studentinnen Héloïse und Solène waren mit dem E-Van in Neuseeland unterwegs © Jucy Group Ltd.
  • Jucy Elektro Campervan
    Das Fahrzeug basiert auf dem Nissan EV200. Dieser ist in der günstigsten Variante ab 34.105 Euro in Deutschland zu haben © Jucy Group Ltd.

    Jucy startet mit optimierten E-Vans in die Saison

    Allen genannten Startschwierigkeiten zum Trotz plant Alpe, die Jucy-Flotte an elektrifizierten Campern zu erhöhen. Im ersten Schritt sollen zehn weitere E-Vans für die kommende Sommersaison bereitstehen. Die Fahrzeuge werden aktuell in Zusammenarbeit mit der neuseeländischen Massey University entwickelt: das Gewicht soll reduziert und die Reichweite auf 200 Kilometer erhöht werden.

    „Wir werden dafür das komplette Interieur neu designen und auch beim Exterieur mit leichteren, aerodynamischeren Materialien arbeiten, um die Gewichtsreduktion zu erreichen“, erklärt Alpe. Solardächer auf dem Fahrzeugdach und eine leistungsstärkere Batterie sollen ebenfalls auf eine gesteigerte Reichweite einzahlen. Die neuseeländische Regierung bezuschusst die Entwicklung der optimierten E-Camper mit umgerechnet über 200.000 Euro. Zusätzlich sollen an allen Jucy-Filialen und an den unternehmenseigenen „Jucy Snooze“-Hotels in Neuseeland und Australien Lademöglichkeiten installiert werden.

    Im Alleingang ist es nicht getan

    Für Alpe, der gemeinsam mit seinem Bruder Tim das Unternehmen Jucy im Jahr 2001 gründete, ist es mit dieser Eigeninitiative allerdings noch lange nicht getan. Er will die Betreiber der zahlreichen Campingplätze und die staatlichen Tourismus-Einrichtungen mehr für die „Bedürfnisse“ von Elektrofahrzeugen sensibilisieren. Interessant sei in diesem Zusammenhang, dass insbesondere Stadtzentren, die mit Schnellladesäulen ausgestattet sind, ein beliebter Ladeplatz sind, so Alpe. Touristen würden die Zeit des Aufladens nutzen, um in den umliegenden Geschäften einkaufen zu gehen.

    „Je besser wir verstehen, wie sehr der Einsatz von Elektrofahrzeugen in unserer Branche das Kundenverhalten beeinflusst, desto besser können wir reagieren und uns entsprechend aufstellen“, schlussfolgert der Jucy-Chef. Er hält eine „umfassende Informations- und Schulungskampagne“ über Elektrofahrzeuge für notwendig. „Nur so versteht man, wie wichtig Elektromobilität für die Zukunft von Neuseelands Tourismusbranche ist.“ (aho)

     

    Quelle: Dan Alpe, Jucy Group Ltd, via E-Mail

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