(v.l.n.r.) Dirk Hackenberg, Jochen Schröder, Prof. Dr. Andreas Nevoigt

Der Mobilitätswandel kommt zwar langsamer als vor einiger Zeit noch prognostiziert, aber er kommt. Erste Auswirkungen spürt die Zulieferindustrie schon und sollte die Weichen entsprechend stellen.

Eine neue Studie der Gesellschaft zur Wirtschafts- und Strukturförderung im Märkischen Kreis (GWS) und der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn kann dafür erste Orientierung geben – konkrete Hilfestellung soll folgen.

Südwestfalen gehört zu den drei stärksten Industrieregionen Deutschlands und wird besonders von der Metall- und Elektroindustrie geprägt. Rund 500 Unternehmen liefern Produkte für die Automobilindustrie. Entsprechend stark wird die Region vom derzeit stattfindenden Mobilitätswandel betroffen sein.

Die GWS hat darum bei der Fachhochschule Südwestfalen eine Studie in Auftrag gegeben, die die Auswirkungen insbesondere der Elektromobilität auf die Region näher beleuchten sollte.

Im Rahmen dieser Studie wurden Hunderte von Quellen studiert und mehr als 60 Zulieferbetriebe und Branchenkenner aus der Region befragt. Die Fachleute aus der Fachhochschule und der Wirtschaftsförderung haben sich mit politischen Rahmenbedingungen ebenso beschäftigt wie mit den Strategien relevanter Fahrzeughersteller und mit den technologischen Besonderheiten der Fahrzeuge von morgen. Herausgekommen ist ein Abbild der derzeitigen Situation, das der heimischen Industrie als Orientierung dienen kann, wo die Reise in Sachen Mobilität künftig hingehen wird.

„An Elektromobilität führt kein Weg vorbei. Weltweite politische Vorgaben zwingen die Hersteller, sich auf diese Technologie einzulassen“, so Prof. Dr. Andreas Nevoigt, der als Leiter des Labors für Fahrwerktechnik die wissenschaftliche Leitung der Studie inne hatte. Hybridantriebe spielen in den nächsten Jahren noch eine wichtige Rolle – dadurch vollziehen sich die Veränderungen innerhalb der Fahrzeugflotten allmählich, was der Zulieferindustrie Zeit verschafft, um sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen.

Erste Auswirkungen des Wandels sind in der Region aber bereits spürbar. So werden Zulieferunternehmen zunehmend in die Entwicklung eingebunden, denn die Hersteller nutzen gerne deren Know-how, um neue Elektromodelle schnell auf die Straße zu bringen. Es wird viel geforscht und entwickelt derzeit – vor allem im Bereich neuer Materialien und Software. Unternehmen aus der Elektrobranche sehen eher Chancen durch den Wandel – Schmieden oder Gießereien sehen die Situation dagegen weniger optimistisch.

Für GWS-Geschäftsführer Jochen Schröder ist die Studie darum erst der Anfang: „Wir müssen jetzt die einzelnen Branchen genauer untersuchen und sehen, wie wir hier konkret unterstützen können“. Dabei soll es nicht nur um die konkreten Produkte und ihre Anpassung auf elektrische Antriebe gehen. Auch innerhalb der Produktionsprozesse gibt es Veränderungsbedarf, den kleine Unternehmen oft nicht alleine stemmen können. Von klimaneutraler Produktion bis hin zur flexiblen Fertigung kleiner Stückzahlen reichen die neuen Anforderungen kleiner Hersteller. „Wir lassen die heimische Industrie mit diesem Fragen nicht alleine und arbeiten derzeit an maßgeschneiderten Unterstützungsangeboten“, so Schröder weiter.

Konkret hat er dabei neben der kontinuierlichen Fortführung der Studie auch verschiedene neue Projekte im Sinn: „Gemeinsam mit der Fachhochschule Südwestfalen konzipieren wir gerade verschiedene Angebote für die Unternehmen“, erklärt er. So könnten Themen wie die CO2-neutrale Fertigung genauer unter Lupe genommen werden. Auch für die Digitalisierung der Produktion oder die Untersuchung konkreter Bauteile in Elektrofahrzeugen hat die Fachhochschule Südwestfalen die geeigneten Kompetenzen im eigenen Hause.

Mit dem Transferverbund Südwestfalen verfügt die Region bereits über ein Instrument, um Hochschulen und Unternehmen gemeinsam an solchen Fragestellungen arbeiten zu lassen: „Seit rund 10 Jahren vernetzen wir durch unsere Technologiescouts und verschiedene Veranstaltungsformate ganz aktiv Wirtschaft und Wissenschaft in der Region. Wir haben bereits ein solides Fundament, das wir nun auch für die Herausforderungen des Mobilitätswandels nutzen können“, so der Geschäftsführer der GWS, die gleichzeitig auch Geschäftsstelle des Transferverbundes Südwestfalen ist.

Studie: Mögliche Auswirkungen der Elektromobilität auf die Automobilzulieferindustrie in Südwestfalen

• Ersteller: Fachhochschule Südwestfalen, Labor für Fahrwerktechnik
• Auftraggeber: GWS – Gesellschaft zur Wirtschafts- und Strukturförderung
im Märkische Kreis
• mit freundlicher Unterstützung des Automotive Netzwerks Südwestfalen
• finanziert durch das Projekt NRW.Innovationspartner des Landes NRW

Quelle: Fachhochschule Südwestfalen