Baden-Württemberg fördert Fahrsicherheitstrainings für E-Biker

Sicheres Fahren braucht Übung – das gilt auch für Pedelecs. Deshalb fördert das baden-württembergische Verkehrsministerium unter Winfried Hermann die Initiative „SICHER E-BIKEN“ mit gut 800.000 Euro.

„SICHER E-BIKEN“: Start im Sommer 2019

Käuferinnen und Käufer eines Pedelecs sollen durch das kostenlose Training von Beginn an bei der sicheren Handhabung ihrer Räder unterstützt werden. Die drei- bis vierstündigen Praxiskurse, in denen es vor allem um Fahrtechnik und Verkehrsschulung geht, sollen langfristig landesweit angeboten werden. Zunächst ist die Pilotphase von „SICHER E-BIKEN“  auf den Stadtkreis Heilbronn sowie den Landkreis Heilbronn beschränkt und startet im Sommer 2019. Im Frühjahr 2020 ist dann die Ausweitung der Fahrtrainings auf ganze Baden-Württemberg geplant.

"Nicht gefährlich, aber ungewohnt"

Dass Fahrtrainings – insbesondere bei Pedelecs – sinnvoll sind, erläutert Klaus Maier,  Präsident des Württembergischen Radsportverbandes (WRSV). Der WRSV ist neben dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Baden-Württemberg (ADFC BW) Projektträger von „SICHER E-BIKEN“. „Ein Pedelec zu fahren, ist nicht gefährlich, aber für viele ungewohnt. Starke Beschleunigung, zügige Grundgeschwindigkeit und höheres Gewicht – all das unterscheidet Pedelecs von herkömmlichen Fahrrädern", gibt Maier zu bedenken. In den Kursen werde den Teilnehmer vermittelt, sicher anzufahren, situativ zu bremsen, Hindernissen im städtischen Alltag auszuweichen oder unbefestigte Naturtrails gekonnt zu bewältigen. „Das Training kommt allen zugute – ob Einsteiger, Alltagsradler oder sportlich ambitionierter Biker“, betont der WRSV-Präsident (Anm.d.R. Eine hilfreiche Übersicht zur richtigen E-Bike-Fahrtechnik finden Sie auch in unserem E-Bike-Special-Beitrag "Sicher unterwegs mit dem E-Bike").

Hintergrundinfo - Wie (un)gefährlich ist E-Biken?

Aktuelle statistische Zahlen zu Unfällen mit Radfahrern in Baden-Württemberg (Unfallbilanz für Baden-Württemberg 2018) – insbesondere mit Pedelecnutzern – sprechen eine deutliche Sprache: Die Zahl der Unfälle, in die Radfahrer im Jahr 2018 in Baden-Württemberg verwickelt waren, stieg um mehr als 10 Prozent zum Vergleichsjahr 2017 an. Bei den insgesamt 11.433 Unfällen kamen 68 Radlerinnen und Radler ums Leben, 15 davon waren mit einem Pedelec unterwegs.

Die absoluten Unfallzahlen im Radverkehr unterliegen allerdings aufgrund von geringen Fallzahlen und Witterungseinflüssen jährlichen Schwankungen. Zeitreihen mit jährlichen Unfallzahlen sind daher allein nicht geeignet, um belastbare Aussagen über die Sicherheitsentwicklung bei Pedelecs und E-Bikes zu treffen.

Für den Untersuchungszeitraum 2016 – 2018 im Vergleich zum Zeitraum 2013 – 2015 gilt:

Ø  Die durchschnittliche jährliche Zahl der Unfälle mit Fahrradfahrern stieg um gut 12 Prozent von 9.415 auf 10.577 an.

Ø  Die durchschnittliche jährliche Zahl der Unfälle mit Pedelecs stieg um 152 Prozent von 484 auf 1.218 an.

Ø  Die Zahl der schwerverletzten Pedelecfahrer stieg von durchschnittlich 167 pro Jahr auf durchschnittlich 341 pro Jahr an.

Ø  Die Zahl der getöteten Pedelecfahrer stieg von durchschnittlich neun pro Jahr auf durchschnittlich 11 pro Jahr

„Unfälle, in die Fahrradfahrer verwickelt sind, nehmen zu“, sagte Winfried Hermann bei der symbolischen Übergabe des Förderbescheids in Höhe von 800.000 Euro. Pedelec-Fahrtrainings seien daher – vor allem auch angesichts der Geschwindigkeit der Räder – eine lohnende Präventionsmaßnahme. Der Verkehrsminister bekräftigte seinen Appell an alle Radfahrer im Land, einen Fahrradhelm zu tragen: „Vor allem angesichts der Geschwindigkeit der Pedelecs sollten Fahrradhelme zur Standardausrüstung gehören. Wenn sich die Menschen auf ihrem Pedelec sicher fühlen, dann wird das Pedelec-Fahren im gesamten Land noch attraktiver.“ (aho)

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