Elektrokleinstfahrzeuge als Teil der intermodalen Mobilität

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Seit vielen Jahren gibt es Elektrokleinstfahrzeuge bereits zu kaufen, nur mit der legalen Nutzung in Deutschland ist es noch nicht soweit. Trotz aller bestehender Verbote werden diese Fahrzeuge bereits sinnvoll verwendet, und die Konkurrenz zum Auto im urbanen Umfeld ist nicht von der Hand zu weisen. Welche Fahrzeugtypen existieren und wie diese sinnvoll nutzbar sind, erklärt Michael Herzog vom Electric Empire – Bundesverband Elektrokleinstfahrzeuge e.V.

Dieser Beitrag ist zuerst im eMobilJournal 03/2019 erschienen.

Das neue Umweltbewusstsein

Weltweit geht ein klar erkennbarer Ruck durch die Gesellschaft. Viele machen sich jetzt vermehrt Gedanken über ihre Zukunft und die der nachfolgenden Generationen. Vor allem die Jugend ist gesellschaftskritischer geworden und nimmt den jetzigen Zustand nicht länger hin. Die Demonstrationen der„Fridays for Future“-Bewegung zeigen deutlich, wie eine Einzelaktion zu einer Massenbewegung wird und welcher Druck damit auf die Politik ausgeübt werden kann.

Es stellt sich also die Frage, wie der Alltag umweltfreundlicher gestaltet werden kann. Welche Mittel und Wege gibt es, die Mobilität anders zu leben. Das Auto ist mittlerweile nicht mehr der zentrale Drehund Angelpunkt in Sachen Mobilität. Die Vernetzung von unterschiedlichen Mobilitätskonzepten tritt in den Vordergrund, und in dieser ist das Auto nur noch ein Baustein unter vielen. Die Automobilindustrie hat nach langem Hadern und Zögern diesen Zustand nun auch endlich akzeptiert. Sie richtet ihre strategischen Konzepte neu aus und denkt in diesem Zusammenhang auch an Mikromobilität mit Elektrokleinstfahrzeugen (EKFs). Die Konzerne erfinden sich neu und versuchen gleichzeitig, an existierenden Sharing-Konzepten zu partizipieren. Die Autoindustrie verwandelt sich vom reinen Produzenten zum strategischen Serviceanbieter von Mobilitätslösungen – dazu werden zukünftig auch EKFs gehören.

So wie die Industrie die Kehrtwende eingeläutet hat, so müssen auch Regierungen in Europa diesen Schritt gehen. Einige sind mutig und andere haben Angst, etwas radikal zu verändern. Leider gehört Deutschland zu der zuletzt genannten Gruppe. Betrachtet man die momentan geführte Debatte um Mikromobilität im Bundestag, so stellt sich die Frage, ob in der Politik Experten für die Zukunft denken. Eher hat man das Gefühl, es wird perfekte Lobby-Arbeit geleistet, und der dringend benötigte radikale Wandel ist nicht erwünscht und unbequem.

Wenn es an der Radikalität hapert, so sollte man zumindest offen für neue Ideen und Technologien sein. Durch verringerte Bürokratie können Entscheidungsprozesse schlanker und effizienter werden. Die Zukunft erfordert dringend schnellere Reaktionsfähigkeit von allen beteiligten Parteien, nur so kann eine Wende in der Mobilität erfolgreich vorangetrieben werden.

Was ist Mikromobilität?

Mikromobilität steht für kleine, leichte, effiziente und hauptsächlich elektrische Fahrzeuge, die sowohl im urbanen Bereich als auch für die erste und letzte Meile im ländlichen Raum ihre Anwendung finden. Viele Menschen nutzen diese Art der Fortbewegung schon heute, auch wenn in Deutschland noch keine offizielle Erlaubnis und Regulierung bestehen. Was veranlasst Menschen etwas – im Moment noch – Verbotenes zu tun? In der Regel die Überzeugung!

Elektrische Kleinstfahrzeuge sind unglaublich praktisch und ersetzen in vielen Fällen die Fahrt mit dem Auto. Durch den geschickten Mobilitätsmix aus Öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV) und Bahn, im Zusammenspiel mit EKFs, kann über große Strecken nachhaltig gereist werden, ohne den eigenen Pkw zu bewegen. Gleichzeitig ist man vor Ort extrem flexibel und kann nach eigenem Ermessen die Wege im urbanen Umfeld erkunden, ohne zwingend auf Busse, Bahnen oder Taxis angewiesen zu sein.

EKFs werden somit zum persönlichen Begleiter. Sie können bauartbedingt zusammengeklappt werden oder sind generell schon so kompakt, dass man sie in jedem Bus, in jeder Bahn oder im Kofferraum eines Autos mitnehmen kann. In der speziellen Verbindung mit dem Auto bedeutet dies, dass Autos nicht mehr zwingend bis in die Städte fahren müssen. Es ist durchaus denkbar, dass ein Fahrer sein Auto am Rande einer Stadt abstellt und dann mit dem EKF in die Innenstadt fährt. So kann die Belastung der Innenstädte durch Abgase und Geräusche drastisch verringert werden.

Warum einen Bundesverband für EKFs?

Die Bundesregierung hat sich nach mehrjähriger Entscheidungsfindung entschlossen, auch EKFs mit einer gesonderten Verordnung im öffentlichen Verkehr freizugeben. Alle Nutzer von Elektrokleinstfahrzeugen haben diesen Umstand als sehr positives Zeichen wahrgenommen. Leider ist die momentan geplante EKFVerordnung keine allumfassende Lösung und damit ungenügend für den praktischen Einsatz. Sie befasst sich nicht mit allen Typen von Fahrzeugen und bildet damit die Möglichkeiten der Mikromobilität nicht vollumfänglich ab.

Damit die Politik auf den Umstand aufmerksam wird, veranstaltete die Interessengemeinschaft Electric Empire Ende 2018 die erste in Deutschland durchgeführte Demonstration zur Legalisierung von Elektrokleinstfahrzeugen. Gleichzeitig wurden die Interessen der EKFNutzer dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur vorgetragen. Im Gespräch mit der Politik wurde schnell deutlich, dass es ohne eine Interessensvertretung kein Mitwirken an politischen Entscheidungen geben wird. Die logische Schlussfolgerung in dieser Situation war die Gründung des Bundesverbandes für Elektrokleinstfahrzeuge e.V., in der Electric Empire aufgegangen ist.

Seit dem offiziellen Start am 12.03.2019 beteiligt sich der Verband intensiv an der politischen Diskussion rund um das Thema der EKFs. Aus diesem Grund rückten wir, mit einer erneuten Demonstration am 28.04.2019 am Brandenburger Tor in Berlin, das Thema erneut in den Fokus von Politik und Öffentlichkeit.

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