Die werbende Ladesäule - Commercial Charger

Die Idee der werbenden Ladesäule entstand im Rahmen eines Forschungsprojekts an der Hochschule Kempten: Die Ladesäule dient zu ihrer eigenen Finanzierung als Werbefläche, die Stromabgabe für den Kunden ist kostenlos. Sanja Uzelac leitet das daraus hervorgegangene Unternehmen Commercial Charger seit 2017 als Geschäftsführerin. Im Interview spricht sie über den Vorteil von AC-Ladepunkten, Kriterien für die Stand­ortwahl und wie werbende Ladesäulen den Ausbau der Ladeinfrastruktur positiv beeinflussen können.

 

 Dieser Beitrag ist zuerst in eMobilJournal 03/2018 erschienen.

Frau Uzelac, welchen Beitrag können werbewirksame ­Ladesäulen leisten, um die Elektromobilität in Deutschland voranzutreiben?

Sanja Uzelac: Meiner Ansicht nach einen großen, denn es gibt kei­ne andere Lösung, die den Ladestrom kostenfrei an­bietet und dennoch wirtschaftlich betrieben werden kann. Während alle anderen den Ladestrom verkaufen müssen, können mittels der EGO-Ladesäule ganz neue ­Geschäftsmodelle und Umsetzungen zur Finan­zierung beschrit­ten werden.

Das Konzept ist sehr einfach: Auf der einen Seite bieten wir eine Sponsoring-Fläche, auf der sich beispielsweise eine Gemeinde oder Stadt präsentiert und dafür die Stand­ortkosten (Erschließung) trägt oder eine Marke als Spon­sor, die durch ihre Werbepräsenz anteilig den Ladestrom trägt. Das Gros der Einnahmen erfolgt dann über die Werbung, über die ebenfalls anteilig der Lade­strom finanziert wird.

Der Elektromobilist geht selbstverständlich bevor­zugt dort laden, wo es ihn nichts oder wenig kostet, die EGO-Ladesäule wird damit zum präferierten Ladepunkt, dies zieht mehr Kunden an, was wiederum zur höheren Sichtbarkeit und Reichweite für die Advertiser führt. Alle profitieren davon. Das und wie dieses Konzept funktioniert, evaluie­ren wir derzeit an unseren Pilotstandorten und ­wollen selbstverständlich aus Überzeugung in die Vorleistung gehen.

Wer steckt hinter Commercial Charger und wie kam es zur Entwicklung der werbewirk­samen Ladesäule EGO?

Die Idee der werbenden Ladesäule ist im Rahmen des Forschungsprojektes eeTour an der Hochschule Kempten (HKE), welches in der Zeit von 2009 bis 2011 lief, entstan­den. Das Projektziel war, nachzuweisen, dass Elektro­mobilität in Verbindung mit moderner Kommunikations­infrastruktur auch im ländlichen Raum effizient betrieben werden kann. Neben technischen Lösungen wurden auch zukunftsfähige Geschäftsmodelle und entsprechende Abrechnungssysteme entwickelt und getestet.

Jens Häberle (Fahrzeugtechnik-Ingenieur) und ­Norbert Baumann (Informatiker), damals Studenten der HKE, konzipierten im Rahmen des Forschungsprojektes die Idee dieser Ladesäule, die mehr als nur Laden bietet. Be­reits damals erkannten die beiden, dass es außer dem Laden smarte Mehrwertdienste geben muss, um sowohl die Investition einer sol­chen Anlage als auch den laufenden Betrieb öko­nomisch sinnvoll mitzu­finanzieren. 2011 haben Häberle und Baumann die Commercial Charger UG als Hochschul-Spinn-Off gegründet. Die Entwicklung und der Bau vieler Prototypen erfolgten aus der Garage her­aus und wurden völlig privat finanziert.

Die EGO-Ladesäule habe ich erstmals 2015 auf der eCar Tech gesehen, als ich auf der Suche nach einer Lade­säule war, die meine damalige Geschäftsidee per­fekt ergänzen würde. Es war „Liebe auf den ersten Blick“. Beide Geschäftsführer waren sehr offen und interessiert, gemeinsam mit ihrem Produkt meine Ge­schäftsidee einer smarten Lade-App umzusetzen.

Seit 2016 arbeiteten wir quasi nebenberuflich zusam­men an der Weiterentwicklung. Es galt einiges an der Ladesäule zu optimieren, insbesondere im Hinblick auf zahlreiche normative Anforderungen, Implementierung eines OCPP-fähigen eigenen Backends, Schaffung der Voraussetzungen für die Interoperabilität, etc. Heute ste­hen wir kurz vor der Serienreife. All das wurde, entgegen dem heutigen Trend der Start-ups, ohne Investoren und Fremdkapital gestemmt – darauf sind wir besonders stolz.

Mitte 2017 habe ich 100 Prozent der Anteile von Commercial Charger übernommen. Meine ehemaligen Partner stehen mir heute nur noch beratend zur Seite. Rückblickend war es für mich, als hätte ich einen verbor­genen Schatz geborgen, da beide Geschäftsführer kurz davor waren, ihr „Hobby“ aus Zeitgründen gänzlich auf­zugeben. Die Lade­säule ist für mich ein Zeugnis für die schöpferische Er­finderkraft dieser Region. In der EGO steckt viel Lei­denschaft und sie wurde aus großer Überzeugung konzipiert und mit ebenso viel Engagement und Betei­ligung bei vielen Pilot-Kunden, wie der Stadt Leutkirch oder der Hochschule Kempten, fortwährend getestet.

Die EGO wurde bis Mitte 2017 im Allgäu gefertigt. Heute planen wir die Serienfertigung als Auftrags­fertigung mit einem renommierten deutschen mittel­ständischen Unternehmen, selbstverständlich zu 100 Pro­zent in Deutschland, denn die Qualität ist für uns ein wichtiger Aspekt und wir sind überzeugt, diese in der gesamten Wertschöpfung am besten mit unseren Liefe­ranten und Partnern hierzulande zu gewährleisten.

Das Besondere an Ihren Ladesäulen ist der Werbebildschirm, der Kunden das Abspielen von statischer und dynamischer Werbung ermöglicht und individuell gestaltet werden kann. Für welche Kunden eignet sich diese Werbemöglichkeit?

Anfangs war die EGO noch recht eckig, ähnlich einem Schaukasten, die ersten Monitore waren lediglich 47 Zoll groß. Da wir nicht aus der Werbebranche kommen, galt es über die Jahre, viel Erfahrung durch Pilotprojekte zu sammeln, wie Digital Signage (DS) bzw. digitale Werbe­stellen funktionieren.

Heute haben wir eine professionelle DS-Lösung nicht nur hardware-, sondern auch softwareseitig. Glaubten wir anfangs alles selber erfinden zu müssen, was Zeit und vor allem Geld kostet, setzen wir heu­te auf eine smarte Inte­gration bereits im Markt existierender und nam­hafter Lösungen. Das DS unseres Produktes kann daher ohne Einschränkungen von verschiedenen Werbe­kunden betrieben werden, ebenso wie von der Marketing-­Abteilung eines Unternehmens oder Dienstleisters.

Die Werbung kann und soll jeden erreichen, also nicht nur die Elektromobilisten, die die EGO anfah­ren. Das heißt jeder, der seinen Kunden ansprechen ­möchte, sei es der Einzelhandel, der besondere Ange­bote ­bereit hält oder das Hotel, das seinen Kunden ­besondere Dienstleistungen während des Aufenthaltes anbieten möchte. Im Prinzip funktioniert die Werbung über die EGO nicht anders als die Werbung, wie man sie im öffentlichen Raum kennt, sei es über CLP (City-Light-­Plakate), ­Jumbo-/Mega-Plakate oder Litfaßsäulen. Aus Werbesicht ist die Reichweite eines der wichtigsten Kriterien, die vom Aufstellort abhängig ist.

Den Charme des DS macht jedoch die Möglichkeit aus, viel Content auf ein Medium zu packen und die Werbung viel ansprechender und interessanter in der Wahrnehmung zu gestalten. In einem Werbe-Loop von etwa sechs Minuten können beispielsweise 15 Werbe­partner zuzüglich Wetter und News platziert werden, die pro Stunden je nach Slotdauer (Ausstrahldauer) mindestens zehn Mal gesichtet werden (siehe Bild 2). Das ist nur eine beispielhafte Anwendung.

Darüber hinaus kann DS sehr einfach und zielgerich­teter durch Geomarketing platziert werden. Als Bei­spiel: Die EGO eines jeden Standorts kann lernen, wer sie benutzt und welche Zielgruppen sie frequentieren und das alles auf Tages- und Wochentagsbasis.

Bild 2 EGO DigitalSignage Werbezeitverteilung b

Bild 2: Beispiel einer Werbezeitverteilung. (Quelle: Commercial Charger GmbH)


Die Ladesäulen verfügen über zwei AC-Lade­punkte mit 11 bzw. 22 kW Ladeleistung. Ist die Ladeleistung mit allen Elektrofahrzeugen kompatibel?

Die Ladeleistung ist nahezu mit allen Fahrzeugen kom­patibel bzw. kann die Leistungsaufnahme auch durch das Fahrzeug beschränkt sein. Die EGO ermöglicht ­Normalladen bis 22 kW. Dafür ist in Europa ein bestimm­ter Stecker vorgeschrieben.

Gemäß IEC 61851 setzen wir selbstver­ständlich den Mode 3 um, das heißt kabel­gebundenes Laden über Typ 2-Stecker. Ab diesem Jahr werden wir standardmäßig eine angeschlagene Typ 2-Ladekupplung verbauen. Es hat sich gezeigt, dass die Elektro­mobilisten das angeschlagene Kabel bevorzugen und ihres lieber im Fahrzeug lassen, insbesondere im Winter oder bei Regenwetter. Auf Kundenwunsch werden jederzeit auch alle anderen Varianten und Lösungen erhältlich sein.

Die Fahrzeugkompatibilität wird er­gänzend durch das Lastmanagement unterstützt, sodass bei installierter Lade­anschlussleistung von 11 und 22 kW diese zwischen den Ladepunkten (LP) verteilt wird. Sollte demnach ein Fahrzeug den 22 kW-LP besetzen und nicht die volle Leistung ausschöpfen, würde diese bei Bedarf auf den anderen LP übertragen werden.

Haben Sie sich bewusst gegen Ladesäulen mit DC-Ladeleistung (Gleichstrom) entschieden? Wel­che Vorteile bieten AC-Ladepunkte (Wechselstrom)?

Das DC-Laden haben wir von Anfang an ausgeschlossen. Es ging um eine kosten­günstige und wirtschaftliche Lösung, sowohl in der Ent­wicklung als auch in der Investition, was sicherlich bei AC der Fall ist.

Des Weiteren zielt das Konzept mit der Werbung ganz klar auf Aufstellorte mit hohem Publikumsver­kehr ab, welches nicht ausschließlich nur Lade­gäste ansprechen soll. Der Ausbau der DC-Ladesäulen wird zunächst ganz klar prä­feriert im Bereich der Schnelltrassen entlang von Autobahnen aus­gebaut – also deutlich ­weniger Frequenz. Super­charger an Autobahnen sind die einzig richtige Lösung, denn wer möchte schon auf dem Weg in den Urlaub mindestens ein- bis zweimal einen mehrstündigen Zwischenstopp auf der ­Autobahnraststätte einlegen?

DC-Laden an Standorten einzusetzen, wo sich die Kunden per se im Schnitt länger aufhalten, als die Zeit, die ein Ladevorhang bei DC benötigt, macht weniger Sinn. Folglich entscheidet sich die Wahl der richtigen ­Ladetechnologie nach Art und Umfang, wie der Stand­ort aus der Sicht der Kunden genutzt wird, sprich nach dem Kundenverhalten.

Gehen Kunden Einkaufen oder besuchen sie ein Museum, Schwimmbad oder einen Freizeitpark, ist die Verweildauer deutlich länger. Hier in DC zu investieren und dann den Ladepunkt durch das Parken zu blockie­ren, ist sicherlich aus beiden Perspektiven (Kunde-Betreiber) un­wirtschaftlich.

Hinzu kommt, dass die Stromnetze vielerorts (noch) nicht auf hohe Lasten ausgelegt sind. Die Anschluss­leistung vorzuhalten wäre sicherlich eine Alternative. Vorhalten vs. Nachrüsten ist sicherlich eine Frage der Mathematik und der persönlichen Risikobereitschaft, die ein Betreiber bereit ist einzugehen.

Beide Vorgehensweisen haben aus meiner Sicht ­Berechtigung, es ist schlichtweg eine individuelle, strate­gische Entscheidung basierend auf Prognosen und Wahrscheinlichkeiten. Somit liegen die geringeren Investitionskosten bei AC zunächst klar auf der Hand.

Die Batteriekapazität und -leistung wird sich in den nächsten Jahren weiter verbessern. Können die bestehenden Ladesäulen aufge­rüstet werden, um auch den Elektrofahrzeu­gen der Zukunft gerecht zu werden?

Geht man davon aus, dass sukzessive auch die Ladein­frastruktur stärker ausgebaut und verdichtet wird, so wird quasi überall und jederzeit geladen werden kön­nen. Das heißt überall, wo ich mit dem Fahrzeug parke, werde ich einfach einen „Schluck“ laden. Hinzu kommt, dass auch anderen Technologien, wie beispielsweise in­duktives oder Laternen-Laden, dies ermöglichen und unterstützen werden.

Sollten wir heute die EGO-Ladesäule in hohen Stückzahlen installieren, amortisieren sich diese auf­grund unseres innovativen Geschäftsmodells und in Ab­hängigkeit des Standorts in anderthalb bis maximal drei Jahren. Somit wäre das Asset abgeschrieben.

Im Vergleich zu anderen Säu­len, die reines Laden anbieten, kann ein Payback erst in fünf bis sechs Jahren er­reicht werden. Mit einem EGO-Geschäftsmodell wür­de bis dahin das Zwei- bis Dreifache der Anfangsinves­tition erzielt werden – bei gleichen Ladezyklen, ohne Förderung. Wie sinnvoll es ist, bei der Erstinstallation gleich Ladeleistung vorzuhalten, muss von Fall zu Fall geprüft werden, aber wir setzen darauf, dass der Kunde auf Wunsch die EGO auch auf AC-Schnellladen umrüsten lassen kann. Das bedeutet, wie bereits be­schrieben, dass schon heute sowohl am Standort vor allem aber im Produkt die Kapazitäten vorgehalten bzw. nach-/umrüstbar sein müssen.

Und es ist richtig, dass sich im Bereich der Fahr­zeugtechnologie sehr viel, und vor allem viel schnel­ler als wir denken, entwickeln wird. Denn die Elektro­fahrzeuge werden schlicht PCs auf Rädern sein, sodass vor allem smarte Geschäftsmodelle eine völlig neue Anwendung und ein Verhältnis zum Besitz und der Art der Fortbewegung mit sich bringen werden. Ich bin überzeugt, dass meine Kinder nie ein Fahrzeug be­sitzen werden. Wir sind schon in der Shared Economy an­gekommen und IoT hält längst Einzug in unseren Alltag. Das Konzept der EGO-Ladesäule soll dabei eine Vielzahl smarter ­Geschäftsmodelle unterstützen.

Ach ja, wer wird schon immer eine volle Batterie ­haben müssen, wenn man seinen Fahrzeugstrom in Zu­kunft handeln und verkaufen kann?


Wirklich „grün“ sind Elektroautos nur, wenn sie mit Strom aus erneuerbaren Energien ver­sorgt werden. Achten Sie darauf, mit Energie­versorgern zusammenzuarbeiten, die Strom aus erneuerbaren Energiequellen gewinnen?

Es ist im Sinne des Betreibers, der für die Errichtung sei­ner Ladeinfrastruktur eine Förderung beantragt, dass er nachweislich „grünen Strom“ anbietet. Denn für die Umsetzung einer förderfähigen Ladeinfrastruktur ist die Erfüllung aller Anforderungen gemäß der Lade­säulenverordnung notwen­dig und diese schreibt unter anderem auch die Nutzung des Stroms aus erneuerbaren Energien vor.

In Anbetracht der Energie­effizienz wissen wir, dass ein Elektrofahrzeug mindestens vier Mal effizienter ist als ein Verbrenner, sprich es nutzt 90 bis 95 Prozent der zugeführten Energie, wohingegen der Verbrenner lediglich 17 bis 20 Prozent der Energie aus fossilen Brennstoffen nutzt. 80 Prozent der Energie verpufft einfach. Auch der Unterhalt eines EVs kostet so gut wie nichts. Mit den sinkenden Batteriepreisen sinken auch die Anschaffungskosten bei gleichzeitig steigender Reichweite deutlich, denn in zwei bis drei Jahren werden auch „Mittelklasse-Elektrofahrzeuge“ eine Reichweite von über 400 Kilometern haben. Im Vertrauen darauf, dass der Ausbau der Ladeinfrastruktur schnell nachzieht, hoffe ich, dass die Reichweitenangst bald überwunden ist.

Die Ladesäulenverordnung des Bundes­ministeriums für Wirtschaft und ­Energie (BMWi) schreibt für AC-Ladeleistungen über 3,6 kW einen Anschluss nach IEC 62196 Typ 2 vor. Was muss darüber hinaus bei der Errichtung von öffentlichen Lade­punkten beachtet werden? Sehen Sie sich mit Hindernissen konfrontiert?

Es ist so einiges, aber überschaubar. Da wir uns seit 2011 mit dem Thema beschäftigen und das Produkt sukzessive entwickeln, die Anforderungen des Mark­tes und Diskussionen in der Politik und Wirtschaft verfolgen, haben wir selbstverständlich alle Themen auf dem Radar.

Die seit März 2016 ver­abschiedete Ladesäulen­verordnung (II) des BMWi soll Qualitätsstandards an öffentlichen ­Ladestationen gewährleisten. Hierzu ge­hören nebst Interopera­bilität das barrierefreie Laden sowie öffentliche Zu­gänglichkeit (24 / 7 bzw. eine Mindestzugänglichkeit von 12 Stunden an Werktagen), Erfüllung der Bezahl-/Abrechnungs­methoden, usw. Demnach handelt es sich nicht nur um technische Anforderungen an den Her­steller, sondern vielmehr auch um Anforderungen, die durch den Betreiber zu erfüllen sind.

Hinzu kommen die ISO/IEC 15118 (Vehicle to Grid Communication), die wir bereits heute unterstützen, als auch Anforderungen nach dem Mess- und Eichrecht. Die EGO erfüllt alle Anforderungen der Ladesäulen­verordnung und ist bis zum vollen Betrag von 6.000 Euro förderfähig.

Im Dezember 2017 begann der Testbetrieb der EGO-Ladesäule in Staufenberg bei Gießen und auch in Leutkirch im Allgäu konnten Sie bereits Ladesäulen errichten. Welche Kriterien spielen bei der Standortwahl eine Rolle?

Der Standort in Leutkirch wurde Anfang 2015 offiziell eingeweiht. Unser Partner vor Ort, die Werbeagentur inallermunde, war von dem Konzept sofort begeistert und hat sich bei der Stadt Leutkirch für die Umsetzung stark gemacht. Im Februar 2015 wurde die EGO als die erste öffentliche Ladesäule in Leutkirch am Bahnhofs­vorplatz eingeweiht (siehe Bild 3).

Mit der Marktentwicklung sowie normativen Anfor­derungen wird die EGO seither stetig weiterent­wickelt. Wir sind sehr dankbar, den Standort in Leutkirch als „Live-Labor“ für den Infeld-Testbetrieb nutzen zu ­dürfen. Am Bahnhof steht nun schon die dritte Gene­ration unseres weiterentwickelten Produktes.

Das EGO-Konzept setzt auf schnelle Refinanzie­rung durch Werbeeinnahmen, also muss der Stand­ort aus der Sicht der Werbevermarktung eine hohe Reichweite haben. Demnach reicht es nicht aus, dass nur geparkt und gela­den werden kann, vielmehr muss die Ladesäule so ­positioniert sein, dass eine sehr gute Sicht auf den Digital ­Signage-Monitor gegeben ist. Dies kann zur Folge haben, dass beispielsweise auch die Ladepunkte nur einseitig anstatt wie bei standardmäßiger Ausfüh­rung, beidseitig angeordnet werden müssen.

Der Einsatzbereich der EGO ist sowohl im öffent­lichen als auch im halböffentlichen Raum selbstver­ständlich möglich. Unsere werbende Ladesäule lohnt sich für jeden, der Produkte und Services an seine Kun­den effizient und attraktiv kommunizieren und somit für sein Geschäft mehr Umsatz, Kundenservice und Kundenbindung erzielen möchte.

Bild 3 EGO Leutkirch Ladeseite Sponsoring 2

Bild 3: In Leutkirch im Allgäu gibt es bereits eine EGO-Lade­säule. (Quelle: Commercial Charger GmbH)


Die Ladesäulen bieten zudem über zwei Schukosteckdosen mit jeweils 3,7 kW Lade­leistung auch Lademöglichkeiten für E-Bikes und E-Scooter. Wird dieses zu­sätzliche Angebot explizit nachgefragt?

Das ist ganz unterschiedlich, das heißt kundenindi­viduell. Ja wir bieten diese Varianz an, denn sollte der Standort aus Werbesicht interessant und ökono­misch sein, beispielsweise in einer Fußgängerzone, warum nicht die EGO mit Schukosteckern für E-Bikes und / oder E-Scooter ausrüsten?

Unter der Marke EGO bieten Sie neben den Ladesäulen mit dem EGO Screen auch die Produkte EGO Thin und EGO Wallbox an. Welche Anwendungsmöglichkeiten bieten die kleineren Formate?

Die Gründer haben schon sehr früh sehr weit gedacht. In der Tat ist der Einsatzbereich der EGO Wallbox als kostengünstige Lösung für den Gastro- und Hotelbe­reich, Kundenladen für Gewerbetreibende und Ähn­liches in ländlicher Region gedacht. Auch hier kön­nen über einen etwa 10 Zoll großen Werbemonitor Infos, wie Menükarten, Angebote, Ankündigungen zu Live-Band-Auftritten oder Werbung der regionalen Brauerei platziert werden, um ein paar Anwendungs­ideen zu nennen.

Ein weiterer Anwen­dungsfall für die Wallbox ist die des erweiterten Lade­satelliten für die EGO Screen. Wird die EGO Screen an einem Supermarktparkplatz zunächst an prominen­ten Parkplätzen instal­liert, kann die Wallbox ergänzend in periphe­ren Bereichen installiert werden und so Werbe­content sehr effizient auch an die entlegene­ren Parkplätze bringen. Sicherlich kennt jeder an den Eingängen von Supermärkten und an­deren Märkten die Kun­denstopper (Straßen­aufsteller).

Mit der EGO Wallbox spreche ich den Kunden bereits beim Abstellen des Fahrzeugs an bis hin zum POS (Point of Sale). Den Kommuni­kationskanal zum Kun­den in der Form aus­zuweiten, ist für den Einzelhändler extrem interessant. Auch in diesem Fall verknüpfen wir praktischen Nutzen aus zwei Anwendungs­perspektiven, und wie­der kann der Endkunde vom kostenfreien Lade­service profitieren.

Die Bandbreite der EGO-Produktpalette ist der Liebe zum Hobby geschuldet. Als der Kemptner Unterneh­mer für seinen EV-Fuhrpark eine weitere Lademöglich­keit benötigte und nicht mehr der richtige Parkplatz zur Verfügung stand, wurde die EGO Thin nach dem Motto „Form follows function“ designt. Sie ist funktional gesehen wie jede andere freistehende 22 kW-Ladestelle, die man aus dem öffentlichen Raum kennt. Aus Kapazitätsgründen haben wir ihre Vermark­tung derzeit jedoch eingestellt.

In Europa entstehen die ersten Inno­vationsparks, die die Ladeinfrastruktur mit Einkaufsmöglichkeiten und weiteren ­Freizeitangeboten verbinden. Welche Ein­satzmöglichkeiten sehen Sie für die Lade­stationen der Zukunft?

In der Zukunft werden sich sicherlich je nach Anwen­dungsfall alle Technologien, vom AC-Normalladen bis hin zu DC-Superchargern, vom Laternen-Laden bis zum induktiven ­Laden etablieren und ihre Gleich­berechtigung ­haben. Denn jede der Technologien hat ihre standort­bedingten Rest­riktionen als auch ­Anforderungen aus der Sicht des Kunden bzw. des Betreibers. Die Erwar­tung des Endkunden in naher Zukunft wird jedoch sein, jederzeit und überall laden zu können. Die Be­darfsdeckung wird in Abhängigkeit zur Verweildau­er des Kunden sicherlich die wirtschaftlich sinnvollste ­Lösung sein.

Für den Einsatz der EGO-Ladesäule an Standorten, wo ich den Kunden insbesondere über diverse Ange­bote informieren möchte, sehen wir ein sehr großes Potenzial. Verbringe ich meine Freizeit mit shoppen oder mit der Familie im Freizeitpark, so reden wir von einer Verweildauer von mehreren Stunden. Insbeson­dere an solchen Orten haben Betreiber einen hohen Bedarf ihre Kunden zu ihren Produkten, besonde­ren Angeboten, Services und all dem, was jeder von uns kennt, zu informieren. Wir reden hier von Cross-­Selling und Cross-Marketing.

Mit den EGO-Ladesäulen bedienen wir uns der ­Mechanismen der Werbebranche, um somit einen ökonomisch sinnvollen Beitrag zu einem schnelleren, ­effizienteren und nicht zuletzt attraktiveren Ausbau der Ladeinfrastruktur zu leisten.

Herzlichen Dank für das Gespräch, Frau Uzelac. (sih)

 

  • Commercial Charger Sanja Uzelac B

    Interviewpartnerin

    Dipl.-Ing. Sonja Uzelac

    Inhaberin und Geschäftfsührerin, Commercial Charger GmbH

  • Werbende Ladesule Deckblatt

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