Elektromobilitäts-Studie: DLR wertet bisher umfangreichste Studie über Erstnutzer von Elektroautos aus

Es ist die bislang größte und umfangreichste Studie zur Untersuchung von Erstnutzern von Elektrofahrzeugen in Deutschland: Das Institut für Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR, Köln) hat 2014 mehr als 3.000 private und gewerbliche Nutzer von Elektrofahrzeugen befragt.

Die Auswertung ergab neue Antworten auf die Fragen, wer die Erstnutzer von Elektrofahrzeugen sind, wie die Fahrzeuge im Alltag eingesetzt werden, welchen Einschränkungen die Nutzung unterliegt und wie die Nutzer damit umgehen.

Die deutschlandweite Befragung richtete sich an 9.217 Halter, auf die mindestens ein batteriebetriebenes oder Plugin-Hybrid-Fahrzeug zugelassen ist. "Eine Befragung zu diesem Thema ist in einem solchen Umfang bisher einzigartig", sagt Stefan Trommer, Projektleiter im DLR-Institut für Verkehrsforschung. "Die Zahl der Teilnehmer ist mit 3.111 sehr erfreulich und bietet uns für den deutschen Raum einen repräsentativen Einblick in Einstellungen zum Elektroauto und seiner Nutzung."

 

Elektromobilität als Schnittstelle zu erneuerbaren Energien

Die privaten Nutzer betrachten Elektromobilität als Schnittstelle zu erneuerbaren Energien. So gaben 45 % der Befragten an, bereits über eine Photovoltaik-Anlage zu verfügen, weitere 12 % planen innerhalb der nächsten zwölf Monate eine Installation. Dies spiegelt sich auch in der Motivation zur Anschaffung eines Elektrofahrzeugs wider: 81 % der Besitzer von Photovoltaik-Anlagen stuften die Nutzung des eigenen Solarstroms als wichtig für die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs ein.

Eigenheim mit Photovoltaik-Anlage; Bild: maxxsolar GmbH
Eigenheim mit Photovoltaik-Anlage; Bild: maxxsolar GmbH

Bei der Frage nach einem Ökostrom-Vertrag gaben 58 % an, einen Ökostrom-Vertrag zu haben, und weitere 9 % planen innerhalb der nächsten 12 Monate den Abschluss eines solchen Vertrags. Dies liege deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnitt, betont das DLR.

 

Der durchschnittliche private Nutzer ist männlich, gebildet und 51 Jahre alt

Allgemein werden Elektrofahrzeuge im privaten Segment von überwiegend gut gebildeten, männlichen Personen mit höheren Einkommen genutzt. Das Durchschnittsalter liegt mit 51 Jahren höher als bei Käufern von konventionellen Neuwagen. Die Mehrheit der Nutzer lebt in einem kleinstädtischen bis ländlichen Umfeld. Trotz ausgeprägtem Umweltbewusstsein ist die Zahl der Haushalte, die neben einem Elektroauto noch einen weiteren Pkw besitzen, relativ hoch. Allerdings hatte die Hälfte der Halter vor der Anschaffung eines Elektrofahrzeugs zwei herkömmliche Pkw, von denen eines durch ein elektrisches Auto ersetzt wurde.

Die gewerblichen E-Fahrzeug-Nutzer sind mehrheitlich kleine Unternehmen mit bis zu 49 Mitarbeitern und neun Fahrzeugen. Dies widerspreche der oft geäußerten Erwartung, dass vor allem große Unternehmen mit großen Fahrzeugflotten die Treiber der Elektromobilität seien, betont das DLR. Knapp über die Hälfte der gewerblichen Fahrzeuge kommen laut der Studie in großen und mittleren Städten zum Einsatz.

Zulassungen der Elektrofahrzeuge der befragten Erstnutzer nach Monat und Jahr
Zulassungen der Elektrofahrzeuge der befragten Erstnutzer nach Monat und Jahr

 

Motive zur Kaufentscheidung: Umweltbewusstsein und Fahrspaß

Interesse an der Elektromobilität und der Senkung der Umweltbelastung wurden als wichtigste Beweggründe für die Anschaffung eines E-Fahrzeugs angegeben – sowohl bei den privaten als auch bei den gewerblichen Nutzern. Aber auch günstigere Energiekosten pro Kilometer und der Fahrspaß am Elektroantrieb bewegten die Nutzer zum Kauf eines Elektro-Autos. Eine untergeordnete Rolle bei der Kaufentscheidung spielten hingegen externe Anreize, wie die Befreiung von der Kfz-Steuer oder kostenloses Parken und Aufladen.

 

Rein batterieelektrische Fahrzeuge beherrschen derzeit den Markt

Mit einem Anteil von 87 Prozent machen die rein batterieelektrisch betriebenen Fahrzeuge den Großteil der Nutzer von Elektrofahrzeugen in Deutschland aus. Die verbleibenden 13 Prozent der Fahrzeuge sind Plugin-Hybride. Die Mehrheit der Fahrzeuge ist weniger als zwei Jahre alt.

In der Nutzung der E-Fahrzeuge konnten die DLR-Forscher kaum Unterschiede zu herkömmlichen Pkw ausmachen: Im privaten Alltag werden E-Fahrzeuge wie konventionelle Pkw genutzt. 43 Kilometer legen rein batteriebetriebene Fahrzeuge an einem Werktag im Durchschnitt zurück. Plug-In-Hybride legen im Durchschnitt 42 Kilometer zurück, davon 30 Kilometer elektrisch.

 

Einschränkungen in der Reichweite

Gewerbliche wie private Nutzer berichten über Einschränkungen durch die Reichweite. Jeder fünfte Unternehmer gab an, dass die E-Fahrzeuge nur begrenzt zum Transport von Waren und Gütern nutzbar seien – Grund hierfür seien geringere Zulademöglichkeiten. Die Mehrheit der Nutzer äußerte sich dennoch äußerst zufrieden mit dem erworbenen Elektrofahrzeug. 

Die DLR-Forscher nehmen an, dass sich die Nutzer vor dem Erwerb ausführlich mit den Einsatzmöglichkeiten und Einschränkungen eines E-Fahrzeuges auseinandergesetzt haben. Ob die Elektrofahrzeuge den Mobilitätsansprüchen des Unternehmens gerecht werden, konnten die Unternehmer also im Vorfeld in Erfahrung bringen. Die große Mehrheit der gewerblichen Nutzer wäre allerdings bereit, einen Mehrpreis für eine größere Reichweite zu bezahlen.

 

Geladen wird zuhause, am Arbeitsplatz oder auf dem Betriebsgelände

Die meisten privaten Nutzer laden ihr Elektrofahrzeug täglich am Wohnort
Die meisten privaten Nutzer laden ihr Elektrofahrzeug täglich am Wohnort

Die meisten privaten Nutzer laden ihr Elektrofahrzeug täglich am Wohnort. Etwa ein Drittel der Befragten nutzt zusätzliche Lademöglichkeiten am Arbeitsplatz. Gewerbliche Nutzer laden ihr Auto fast täglich auf dem eigenen Betriebsgelände. Zusätzlich werden 29 Prozent der gewerblich zugelassenen Fahrzeuge am Ende des Tages auf dem Privatgrundstück des Fahrers abgestellt und geladen. Die hohe Bedeutung der Lademöglichkeiten zu Hause, am Arbeitsplatz oder auf dem Betriebsgelände erklärt das DLR mit den langen Standzeiten an diesen Orten.

Zum vollständigen Bericht geht es hier.

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR, Köln)